Full text: (Neueste Folge, Band 13 = 1840, No 1-No 8)

74 I. Pathologie, Therapie und medicinische Klinik. 
sehr ab, als es beim Mercur in der Lues und bei China ge 
gen Wechselfieber der Fall ist. Diese Bemerkungen finden 
auch namentlich ihre Anwendung beim Gebrauche des Opiums 
gegen Säuferwahnsinn. Der Verf. fand, dass dies Mittel, 
■wenn es nach der gewöhnlichen Methode verordnet wird, un 
wirksam blieb, während die heilsamen Wirkungen nicht aus 
blieben, wenn er die Gaben alle 2 Stunden verdoppeln liess. 
So fängt er gewöhnlich mit 4 Tropfen des Land, liquid. S. 
an, 2 Stunden darauf lässt er 8 Tropfen, 2 Stunden später 
16, dann wieder 2 Stunden darauf 32 Tropfen und endlich 
2 Stunden später, wenn noch kein Schlaf erfolgt, nicht mehr 
die Gabe verdoppeln, sondern 40 Tropfen alle 2 Stunden 
nehmen', bis Schlaf erfolgt, wo dann die Gaben vermindert 
werden. Als Belege des Erwähnten theilt der Verf. 2 Beob 
achtungen mit, die ihm in mehrerer Hinsicht interessant schei 
nen und wo er diese Methode mit schnellem, und ausgezeich 
netem Erfolge an wendete. Erster Fall. Acute Leber 
entzündung, plötzlicher Ausbruch des Delirium 
tremens. Am 9. Jan. wurde S. zu einem 52jährigen Schrei 
ner gerufen, einem sehr muskulösen, athletischen Manne, 
der am 8., ohne bekannte Ursache, nach schlafloser Nacht 
und vorherigem Schüttelfröste von Stechen in der rechten 
Seite und bedeutender Hitze befallen worden war. Als der 
Verf. am Morgen dieses Tages den Kranken sah, fand er 
ihn in bedeutendem Fieber. Er hatte die letzte Nacht wie 
der wachend zugebracht, das Gesicht war geröthet, der Kopf 
fühlte sich heiss au, auch die ganze Haut war brennend, 
gelblich, fast icterisch gefärbt, etwas duftend; Pat. athmete 
schnell und klagte über heftige Schmerzen in der rechten 
Seite, die durch die geringste Bewegung vermehrt wurden; 
er konnte nur auf dem Bücken liegen, beim Berühren der 
Lebergegend schrie er laut auf, eben so, wenn man ihn un 
ter die Kippen fassen wollte; die Schmerzen gingen bis ins 
Epigastrium, auch klagte Pat. über Schmerzen in den Schul 
tern, die aber erst die letzte Nacht eingetreten seyn sollten. 
Die übrigen Theile des Unterleibs schmerzten beim stärksten 
Drucke nicht. Percussion und Auscultation ergaben, dass die 
Respirationsorgane normal waren. Pat. klagte über heftigen 
Durst, Neigung zum Brechen, bittern Geschmack uud Appetit 
losigkeit. Die Zunge war gelblich belegt, der Urin ging spar 
sam und hochroth ab, der Puls war voll, hart, beschleunigt, der 
Kopf ganz frei, Delirien waren nicht zugegen und Oeffnung 
seit 24 Stunden nicht erfolgt. S. verordnete sogleich Ader 
lass von 16 Unzen, 4 Stunden nachher 15 Blutegel in die 
Lebergegend und Abends noch einen Aderlass von 12 Unze»
	        
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