Full text: (Neueste Folge, Band 13 = 1840, No 1-No 8)

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II. Materia medica und Toxikologie. 
des Sublimats genommen, wahrscheinlich würde inan sehr 
wenig materielle Veränderung in der Magenschleimhaut wahr 
genommen haben. Mithin kann man bei Arsenikvergiftung 
allenfalls nur eine ähnliche Erscheinung in der Mucosa erwar 
ten, aber auch nur dann wenn der Tod weniger schnell auf 
eine geringe Menge des Arseniks in 2—3 Tagen erfolgte. In 
solchem Falle findet man nach Sobernheim und Simon 
die Magenschleimhaut allerdings bisweilen widernatürlich ver 
dickt, oder, zumal in der Magenmundgegend, in starke Fal 
ten zusammengezogen. Kort um beobachtete ein, der ange 
regten Wellenfürmigkeit sehr ähnliches Symptom, aber auch 
in einem Falle, wo der Tod erst 33 Stunden nach der Arse 
nikvergiftung erfolgte: die innere Oberfläche des Magens war 
aufgelockert, mit runzligen Strängen von der Dicke gefüll 
ter Armvenen, nach Art eines Netzes mit gröbern Maschen 
durchzogen. Nächst der Wirkung auf die Muskelfaser, be 
sonders auf die Fleischhaut des Magens, macht der Verf. auf 
die intense Giftwirkung auf die Schleimhant, in der Nähe des 
Pförtners, aufmerksam. An dieser Stelle nämlich concentrirte 
sich gewissermasser die Giftwirkung im Magen und veran- 
lasste dadurch den graugrünen, bronzefarbigen Fleck. Unstrei 
tig näherte sich die so gefärbte Magenpartie der Gangrän, ob 
gleich ihr die gewöhnlichen Merkmale des Brandes abgingen, 
denn sie war derb wie gegerbtes Leder und liess sich runz 
lig anfühlen. Da sie keine Spur von Wellenfürmigkeit 
zeigte, so spricht sie gleichzeitig für die Ansicht, dass, bei zu 
tief gesunkener Lebensthätigkeit des Magens, die Wellenför- 
migkeit nicht entstehen kann. Bemerkenswerth ist, dass die 
Bronzefarbe im Verlaufe der Zeit, während der Magen in 
Branntwein aufbewahrt wurde, ganz verschwand und dass 
man später statt derselben einen breiten, schwärzlich gefärb 
ten , namentlich durch Quecksilberoxydul bewirkten Streif 
sah. Die lederartige und runzlige Eigenthümlicheit theiite 
der gefärbte Fleck mit der Oberfläche der Zunge, die der 
corrosiven Wirkung zunächst ausgesetzt war. Hinsichtlich 
dieser Alienation sagt Christison: die runzlige Beschaffen 
heit der Zunge mit bedeutender Vergrösseruug der Wärzchen 
ist, so viel wie bekannt, vom Arsenik nicht erzeugt. Da 
hingegen ist nach Beck starke Zusammenziehung des Ma 
gens, wie sie die fragliche Sublimatvergiftung darbietet, bei 
Arsenikvergiftung sehr gewöhnlich und Mertzdorff beob 
achtete sie in einem Falle von Vergiftung mit Zinkvitriol. 
Ganz anders möchte es sich wohl mit der merkwürdigen gelb 
lichen Farbenerscheinung an den Mundorganen und im Schlunde 
verhalten, wie auch mit dem ungewöhnlich lebhaft gelb colo-
	        
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