Full text: Summarium des Neuesten und Wissenswürdigsten aus der gesammten Medicin zum Gebrauche praktischer Aerzte und Wundärzte (Neueste Folge, Band 13 = 1840, No 1-No 8)

430 IV. Gynäkologie und Pädiatrik. 
oder weniger das übrige Nervensystem in Mitleidenschaft zieht, 
wodurch die Formen dieser Krankheit so unendlich viel 
fach und wechselnd werden. So scheidet sich nicht nur 
manche Hemicranie und Cardialgie der Weiber, die man 
gemeinhin der Hysterie zuzählt, von dieser aus, sondern aucli 
Neurosen und Neuralgien der Genitalien selbst können Vor 
kommen, die mit Hysterie nichts zu schaffen haben, wenn sie 
1) ganz isolirt und selbstständig auftreten, ohne wesentlich 
mit andern Alienationen im Genitaliensysteme, wie im ganzen 
übrigen Nervensystem verbunden zu sein; 2) wenn die Ur 
sachen einer solchen Neuralgie oder Neurose der Genitalien 
von der Art sind, dass sie keine besondere Beziehung zu den 
Genitalien und ihren Functionen haben ; 3) wenn durch Na 
tur oder Kunst die Heilung dieses rein örtlichen Nervenlei 
dens zu Stande kommt, ohne dass weder im Verlauf dersel 
ben, noch in der Folge eine andere allgemeine Verstimmung 
des Genitaliennervensystems, und von ihm aus des ganzen 
Nervensystems, sich zeigte. Ein Fall von einer nicht in Hy 
sterie begründeter Neuralga uterina ist nachstehender: Eine 
47jährige Frau befragte R. am 28. Deceinber 1834 wegen 
übermässiger Menstruation. Diese, früher regelmässig, kehrte 
nämlich seit einem halben Jahrs alle 14, öfters sogar alle 8 
Tage zurück ; in der Zwischenzeit verlor die Frau zwar kein 
Blut, hatte aber nur selten unterbrochenen, fleischwasserartigen 
Abgang aus den Genitalien, der nie scharf war. Die Frau 
empfand keine Schmerzen und die Untersuchung der Genita 
lien zeigte keine organische Veränderung, das Allgemeinbe 
finden war gut, alle Secretionen regelmässig, das Aussehen 
gut, nur der Stuhl war etwas träge. Die Frau, untersetzt 
und muskulös, war von Jugend auf gesund gewesen, hatte 
die Menses in: 17. Jahre bekommen und im 24. Jahre, einen 
kräftigen Landmann geheirathet, war aber nie schwanger ge 
worden. Sowohl vor der Verheirathung als nach derselben 
flössen die Menses sehr stark, doch ohne besondere Beschwer 
den und kehrten alle 4 Wochen regelmässig wieder. Vor 
4 Jahren hatte die Frau fixen, sehr heftigen, remittirenden 
Schmerz in der Tiefe der Schoossgegend empfunden, von wel 
chem sie durch verschiedene Mittel erst nach einem Viertel 
jahre befreit wurde; die Menstruation blieb aber dabei regel 
mässig. Das jetzt abgehende Blut hatte die Beschaffenheit 
des Menstrualblutes, nur die Perioden waren näher an ein 
ander gerückt. R. verordnete Tropfen aus Acid. phosphor. 
mit Tinct. Opii. simpl., wobei nur der fleischwasserartige 
Abgang schleimiger wurde, und starken widrigen Geruch an 
nahm. — Die äussern Geschlechtslheile fanden sich ziemlich
	        
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