Full text: (Neueste Folge, Band 13 = 1840, No 1-No 8)

246 III. Chirurgie und Ophthalmologie. 
zerbrechen, sondern sogleich die Sectio dlta vorzunehmen. 
Vor der Operation erhielt Pat. einige Wochen gelind auslee« 
rende Mittel, schleimige Getränke und täglich ein laues Bad. 
Die Harnröhre wurde unterdessen durch Bougies erweitert. 
Nachdem Alles zur Lithotritie vorbereitet war, injicirte D« 
8 Unzen Wasser in die Blase und brachte den Steinbrecher 
ein. Der Schnabel des Instruments stiess sogleich auf den 
Stein, wieder in der Richtung nach Vorn und Oben. Das 
Instrument wurde geöffnet und geschlosen, der Stein aber 
nicht gefasst. Bei mehrmaliger Wiederholung traf D. den 
Stein immer, aber das bis auf den höchsten Punct geöffnete 
Instrument fasste ihn nicht, sondern die Löffel glitten im 1 
ihren Spitzen mit schnarrendem Geräusche wieder ab. So 
blieb es auch als Pat. die Lage verändert hatte, und als er 
bei jedem neuen Versuche über immer heftigere Schmerzen 
klagte, stand D. von «eitern Untersuchungen ab. — Pat. 
wurde sogleich eine Stunde lauwarm gebadet, an den Damm 
wurden viele Blutegel gesetzt und Ricinusölemulsion mit Aq- 
haurocerasi nebst schleimigen Getränken verordnet. Dennoch 
stellte sich heftiges Fieber mit Schmerzen in der Blase ein 
und wiederholte Aderlässe, Blutegel und Breiumschläge mit 
narcotisclien Kräutern an den Damm beseitigten die allge 
meine und örtliche Reaction nicht; 8 Tage darauf traten hef 
tige Delirien ein und am 12. starb Pat. Der Urin musste 
während dieser Zeit durch einen elastischen Catheter entleert 
werden. — Die Section zeigte, dass weder Lithotritie noch 
Steinschnitt das Leben erhalten hätten. Die Bauehdeckeu 
enthielten unglaublich viel Fett, so wie auch die Unterleibs 
höhle. Die Blase zeigte in ihren Wandungen starke alte 
Verdickung, die Oberfläche war graubraun und mit dickem, 
stinkendem Schleimiiberzuge bedeckt. In diesem freien Raume 
der Blase lag ein länglicher, abgerundeter, einen kleinen Fin 
ger dicker und etwa 2 Zoll langer Stein. Nach vorn und 
oben dicht über dem Schambogen ragte die abgerundete Flä 
che eines Steins gleichsam durch ein rundes Fenster von 2! 
«oll hinein, der Stein steckte in einer besondern Tasche, hatte 
den Umfang eines Gänseeies und war lest von den Wandun 
gen dieser Nebenzelle der Blase umschlungen. Dieser Neben 
sack communicirte mit der Blase durch jene 2f Zoll grosse 
Oeffnung, vor welcher nur ein kleiner Theil des Steins lag. 
Die Harnleiter waren stark «usgedehnt, ihre Wandungen be 
deutend verdickt, die Nieren gross und mit Abscessen durch 
säet. Die Leber war vei^rössert und missfarbig. (Casper* 
WoGhenschr. f. d. ges, Heiljc. 1840. IVr. 7. u, 8.]
	        
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