Full text: (Neueste Folge, Band 13 = 1840, No 1-No 8)

I. Pathologie, Therapie und medicinische Klinik. 217 
Don ne und Mateucci mittheilen, dass nämlich zwischen 
Magen und Leber sehr starke electrische Strömung stattfinde, 
so ist es klar, wie auch der Magen in den krankhaften Pro- 
cess mit hineingezogen wurde. Von welcher Natur derselbe 
war, mag nach dem eben Gesagten nicht zweifelhaft seyn, 
nämlich neurischer und dafür spricht die Anamnese, die car- 
dialgische Leiden nennt. Wie sich aber jede Neurose in Phlo- 
gose umgestalten kann, so auch hier und zwar nach dem al 
lerdings gültigen pathologischen Gesetze, dass AlFectionen im 
Bereiche des Gangliensystems bei eintretender Metamorphose 
sich nach den zunächst beeinflüssten Oberflächen hin ausbrei- 
ten, wie man dies oft beobachtet, wenn man ein primäres 
Erkranken in den einzelnen Provinzen des Gangliensyms nicht 
in Abrede stellt. So läuft ein Leiden in der Pars thoracica 
auf der Pleura ab, in der Pars abdominalis auf dem Peri- 
tonäum, oder auf diesem und der Darmmucosa zugleich und 
sohin auch ein Leiden der Leberganglienprovinz auf der serö 
sen Umkleidung der Leber, wobei im mitgetheilten Falle 
denn auch die Gallenblase Theil nahm. So wäre das Zu 
standekommen einer Entzündung, und zwar zunächst der Le 
ber, nachgewiesen, die aber nicht rapid verlaufen seyn konn 
te. Denn betrachtet man die Lage des Magens im Verhält 
nisse zur Leber, so kommt man zu der Vermuthung, dass 
die Gallenblase durch allmählige Zusammendrückung ver 
schwunden seyn möge. Durch Zerreissung kann es wohl 
nicht geschehen seyn, weil sich hier die Galle frei ins Cavum 
pcritonaei ergossen haben müsste, wodurch absolute Lethali- 
tät bedingt gewesen wäre, wie dies die von Abercrombie 
und Gen drin erzählten Fälle und die Versuche von Auten- 
rieth in Sury’s Dissertation (Tübing. 1803) beweisen. Ad 
häsion ist demnach das wahrscheinlichste; nur lallt auf, dass 
Pat. nichts von icterischen Erscheinungen wusste, di« doch 
eingetreten seyn mochten, bis die Communication der Leber 
mit dem Magen hergestellt war, es müsste denn seyn, dass 
der Ductus choledochus erst nach Herstellung der Communica 
tion der Leber mit dem Magen durch Obliteration und Adhäsion 
verschwunden wäre. Dass hier die Galle chemisch auf den 
Magen einwirkte und so dessen Perforation bewerkstelligte, 
lässt sich nicht bezweifeln, merkwürdig aber ist, dass es nicht 
zur Magenphthisis kam und Vernarbung eintreten konnte bei 
Fortdauer der schädlichen Einwirkung der Galle. Doch was 
kann man nicht Alles von der Naturheilkraft erwarten, wenn 
es darauf abgesehen ist, die Aerzte im Erkennen und Heilen 
ihre Ohnmacht fühlen lassen! Es bleibt dieser Fall gewiss 
einzig in seiner Art und ist nicht mit den bei Tiedemann
	        
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