Full text: (Neueste Folge, Band 13 = 1840, No 1-No 8)

216 1« Pathologie, Therapie und medicinische Klinik. 
gegen 2 Tassen bräunliche Flüssigkeit, unter welcher sich 
5 bis 6 linsengrosse Steinehen fanden, die inan als Galles 
steine erkannte. Die Schleimhaut des Magens war auf ihrer 
übrigen Ausbreitung gesund, so wie der übrige Darmkanal; 
die Leber war etwas schlalf, auf der Oberfläche wie auf den 
Durchschnittsflächen aber gesund. Die Gallenblase fand sich 
nicht, eben so wenig liess sich eine Oeflnung in den gemein 
schaftlichen Gallengang auffinden, während die Oeffnuag der 
Einmündung des Bauchspeicheldrüsenganges sichtbar war. 
Erst als man den Magen wieder untersuchte, in dem Galle 
und Gallensteine enthalten waren, fand man unter dem wul 
stigen Rande der narbenähnlichen Stelle eine Oeflnung, durch 
welche die Sonde leicht in die Leber führte. Dieser über 
einen Zoll lange Gang zeigte aufgeschlitzt das Lumen eines 
Rabenkiels, bildete aber an der Einmündung in die Fossct 
transversa der Leber Erweiterung, welche etwas Galle und 
feinsandige, schwarze Körnchen enthielt; in den Lebergängen 
fand sich keine Spur solcher Coneremente. Dieser Gang vom 
Magen zur Leber lief mitten durch das faserige, verworrene 
Gewebe, welches diese Organe verband und war mit Schleim 
haut ausgekleidet, auf welcher man mehr Schleim bemerkte, 
als gewöhnlich in den Ausführungsgängen der Gallenblase ge 
funden wird. Die Milz war um ein Drittel grösser als ge 
wöhnlich und in ihrem Parenchym heller roth , dabei welk; 
die Nieren ebenfalls um ein Drittel grösser, dem Anschein 
nach aber gesund; eben so fanden sich die übrigen Organe 
des Unterleibs normal. — Was hier der Tod Merkwürdiges 
darbot, muss es auch im Leben gewesen seyn und als sol 
ches hat man hier mit Recht die Verdautingsbescbwerden be 
dingt durch die unmittelbare Galleuergiessung in den Magen 
zu betrachten. An Bildungsfehler möchte hierbei nicht zu 
denken seyn, um so interessanter wird darum die Pathogenie. 
Die Anamnese sagt, dass Pat. viele Jahre an Verdauungsbe 
schwerden gelitten. Der Anfang derselben scheint jedoch in 
die climacterischen Jahre zu fallen und die Ausbildung in die 
Periode der oben genannten langwierigen Unterleibskrankheit, 
in die Altersperiode der angehenden 50 er . Mit Cessation der 
Periode nahm die Thätigkeit des Gangliensystems eine andere 
Richtung an und es entwickelte sich die Opportunität zur 
Pseudoplaslicität. Das vulnerabelste Organ ist in diesen Fäl 
len gewöhnlich der erste Anziehungspunct und als solches 
muss man hier die Leber anerkennen, wohin auch die Lieb 
haberei für Liqueure und Kaffee weist und wofür auch das 
heftige Temperament spricht, genährt durch die eben genannte 
Liebhaberei. Hat man die Thatsache noch im Auge, die
	        
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