Full text: Summarium des Neuesten und Wissenswürdigsten aus der gesammten Medicin zum Gebrauche praktischer Aerzte und Wundärzte (Neueste Folge, Band 13 = 1840, No 1-No 8)

I. Pathologie, Therapie und medicinische Klinik. 7 
dass das Athmen in allen den Fällen tief sei, wo zwischen 
dem zu oxydirenden Blute und der zu geringen Luitmenge 
Missverhältnis Statt fände und dahin rechnete man besonders 
Lungenplethora und leichte Compression derselben durch Ab- 
dominalanschwellungen, Verengerungen des Thorax etc. . Von 
solchem Missverhältnisse kann wenigstens in so fern uie die 
Rede seyn, um daraus die Form der motorischen Erscheinun 
gen des Athmens zu erklären. Aus dem gestörten Chemis 
mus der Lungen entspringt nie die leiseste Einwirkung auf 
die Athembewegung, sondern deren Hemmung und ganze Be 
schaffenheit hängt allein von mechanischen Verhältnissen ab, 
die theils im Eintritte der Luit ins Lungengewebe, »heils in 
Ausdehnung des letztem, theils endlich in den motorischen 
Gebilden oder im Brustgewölbe liegen. Wo die Athembe- 
wegung durch Lungenplethora verändert werden soll, da 
müssen sich also alle mechanischen Ursachen nachweisen las 
sen, die durch Blutüberfüllung der Lungen entstehen. Die 
Lungenplethora ist zur Erklärung der verschiedenartigsten Er 
scheinungen des Athems und besonders des Gemeingefühls 
gemissbraucht worden. Auch das Gähnen hat man durch 
Lungenplelhora erklärt, auch Seufzen und tiefes Athmen, so 
wie alle Erscheinungen mit unbestimmten Empfindungen in 
der Herzgegend und ohne wahrnehmbare materielle Ursachen, 
wie Angst und Furchtgefühl, auf Lungenplethora zurückge 
führt und dabei ganz die geistigen Einflüsse unbeachtet ge 
lassen. Lässt sich beweisen, dass Lungenplethora kein tiefes 
Athmen erzeugen kann, so ist hierdurch zugleich erwiesen, 
dass auch Seufzen und Gähnen nicht bloss durch Lungenple 
thora entstehen kann, denn diese Bewegungen der Athem- 
muskeln sind von tiefem Athem begleitet. Blutüberfüllung 
der Lungen kann sich nur dann offenbaren, wenn sie den für 
die Luft bestimmten Baum beschränkt und ihn allgemein, 
oder wenigstens über einen grossen Tlieil ausdehnt. Die Luu- 
genschleimhaut ist dann gleichzeitig gereizt. Die Reizuug er 
zeugt vermehrte Secretion, dadurch Schleimanhäufung in Luft 
zellen und Bronchien und hierdurch Beeinträchtigung des Luft 
zutritts. Aber selbst ohne dies können Wegsamkeit und Zu 
gänglichkeit der Luftzellen vermindert werden, in so fern 
nämlich die zahlreichen Capillargefässe grössere Turgescenz 
erlangen und stärker nach der Höhlung der Luftzellen her- 
vortreten. Dies veranlasst, dass weniger Luft in die Lungen 
bläschen einströmt, in so grossem Strome sie auch eingezogen 
werden möge. Kommt nun weniger Luft ins Lungengewebe, so 
kann sich dies auch weniger ausbreiten, zumal da seine pas 
sive Expansions- und Coutraclionsfähigkeit ausserdem schon
	        

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