Full text: Summarium des Neuesten und Wissenswürdigsten aus der gesammten Medicin zum Gebrauche praktischer Aerzte und Wundärzte (Neueste Folge, Band 12 = 1839, No 17-No 24)

450 I. Pathologie, Therapie und mediciuische Klinik. 
minthiasis und Nervenschwäche gerichtete ärztliche Behandlung 
auf den Verlauf dieses Uebels sichtlichen Einfluss geäussert 
hätte. — Als St. Pat. im Jan. 1838 zuerst in diesem Zustande 
sah, war er seit etwa einem Jahre von solchen Anfällen frei 
gewesen; doch klag',*' er nicht selten über Unwohlsein, beson 
ders Kopfschmerz und Müdigkeit. Bei lebhaftem Temperamente 
war er häufig schläfrig und übelgelaunt, was man aber, da 
ausser auffallend blassem Gesichte, nichts Krankhaftes an ihm, 
bemerkt wurde, dem schnellen Wachsthume und der Pubertäts 
entwickelung zuschrieb. Für sein Alter war er gross und 
schlank. Seine Geistesfähigkeiten waren nicht ungewöhnlich, 
noch war eine besondere Richtung des Gefühls und der Phan 
tasie bemerkbar; die genauesten Nachforschungen ergaben durch 
aus keinen Verdacht auf unsittliche Handlungen. — Von sei 
nem frühem somnambulen Zustande, besonders von der Fähig 
keit bei geschlossenen Augen zu sehen, hatte St. bereits*Meh- 
reres gehört, und beobachtete daher die Anfälle vom Anfang 
bis zu Ende um so genauer. Der Anfall trat meistens am 
Abend, bisweilen auch Morgens ein und kündigte sich immer 
durch Kopfschmerz in der Stirngegend an, welcher Pat. nöthigte, 
sich still hinzusetzen, worauf sich unüberwindliche Schläfrig 
keit einfand. Nichts vermochte Pat. dann wach zu halten. 
Hatte er die Augen einmal geschlossen und war er im Schlafe, 
was unversehens schnell geschah, so war es weder möglich 
noch räthlich, ihn zu wecken; denn wenn man dies versuchte, 
so verschlimmerte sich das Uebel, indem Pat. in heftige Auf- 
, reguug gerieth und die dem Anfalle folgenden Erscheinungen 
von allgemeiner Abspannung und Ermüdung um so stärker 
waren. Liess man ihn in Ruhe, so war er Anfangs ruhig, 
wie ein Schlafender, beim geringsten Geräusche aber richtete 
er sich plötzlich auf und horchte, was bisweilen auch ohne 
äussere Veranlassung geschah, dann stand er auf, und ging 
nach der verschlossenen Thüre. Hörte er etwas draussen, so 
versuchte er jeue mit Gewalt zu öffnen; da dies aber nic[)t ge 
lang, ging er heftig auf die Fenster los und stieg auf einen 
Stuhl um alle Riegel zu öffnen; aber auch diese waren, so 
wie alle Schränke verschlossen. Sobald er Geräusch von Schlüs 
seln vernahm, stürzte er darauf los, um sie zu erhaschen; eben 
so schien er auch alle metallene Geräthschaften, besonders Mes 
ser aufzusuchen. Kam der Anfall während der Tisch gedeckt 
war, so konnte man Messer und Gabeln nicht schnell genug 
entfernen; doch hat Pat. das Messer nie gegen sich oder An 
dere gemissbraucht. Einmal, als der Anfall unbemerkt gekom 
men war, fand man Pat. auf seinem Schlafzimmer im Bette 
liegend mit einem Federmesser in der Hand, an welchem sich 
Klingen befanden, die sämmtlich geöffnet waren. Wahr 
scheinlich hängt dies mit der Gewohnheit zusammen, sich viel
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.