Full text: (Neueste Folge, Band 8 = 1838, No 9-No 16)

30 ; [f, Materia medica und Toxikologie, 
mengezogen, und bei der leisesten Berührung höchst schmerz- 
haft, die Lochien unterdrückt, das Gesicht blauroth, aufgetrie- 
ben, die Gesichtszüge entstellt, der Blick wild, die Augen 
rollend und gleichzeitig momentane Bewusstlosigkeit zugegen, 
in welcher die Kranke weder Gatten, noch Eltern und Arzt zu 
erkennen schien; der Puls konnte wegen der grossen Unruhe 
und der heftigen, stossweise krampfhaften Bewegungen in den 
obern Extremitäten nicht gefühlt werden. Die wirksamsten 
Antispasmodica , besonders Opium und Castoreum, welche schon 
früher gegeben worden waren, wurden ohne allen Erfolg ange- 
wendet, und da die Heftigkeit der Beschwerden anderthalb 
Stunden gedauert hatte, die von der Kranken in der Hast ver- 
schluckten Arzneien aber das Uebel zu steigern schienen, und 
mas bei längerem Zaudern entweder allgemeinen Starrkrampf, 
oder Nervenschlag zu befürchten hatte, so entschloss sich B, 
endlich zur Anwendung des animalischen Magnetismus. Durch 
das Zureden ihres Gatten, und durch die bündige Versicherung, 
durch ein untrügliches sympathetisches Mittel sie von ihren Lei- 
den zu befreien, gelang es endlich der Krauken, einige Minu- 
ten Herr ihrer selbst zu werden und sich ruhig zu verhalten, 
Die ersten sechs Touren geschahen mit leisen Streichen vom 
Scheitel über die Schläfe, die beiden Seiten des Halses, die 
Arme, die Hände, und wurden mit einem sanften Druck der 
Daumenspitzen geschlossen, Pat, wachte während dieser Mani- 
pulation, verhielt sich ziemlich ruhig, und schien tief nachzu- 
denken. Auf die Frage, ob ihr diese Sympathie behage? er- 
wiederte sie: sie empfinde von oben bis in die Fingerspitzen 
angenehme fluthende Wärme, auch die Schmerzen im Unter- 
leibe wären wehiger empfindlich, und B. möge damit fortfah- 
ren. Diese Angaben waren keine leeren Worte, denn die 
grässlichen Zuckungen der Gesichtsmuskeln, das Zähneknirschen 
und der Trismus hatten sich fast verloren, die krampfhalten 
in den Extremitäten wurden schwächer und ‚der Puls weniger 
klein und hart. Pat. verlangte zu trinken, und man gab ihr 
eine halbe Tasse magnetisirten Chamillenthee, den sie auch 
ohne Schwierigkeit nahm. Nach dieser ziemlich grossen Pause 
magnetisirte B. auch die ganze vordere Seite dea Körpers, 
fixirte besonders lange diejenigen Gegenden; in welchen Pat, 
die Schmerzen am heftigsten empfunden hatte, hauchte diesel- 
ben häußz an und schloss mit einem sanften Drucke bei der 
grossen Fusszehe. Schon bei der zweiten Tour als B. über die 
Augenlider fuhr, schlossen sich die Augen unwillkührlich und 
nach einer Viertelstunde lag Pat. in einem magnetischen Schlafe, 
in welchem sie stark schwitzte und nach einer halben Stunde 
ganz heiter und olıne Schmerzen erwachte, So vergnügt aber 
Pat. über die sympathetische Cur war, so fürchtete sie doch 
einen neuen Anfall und wünschte deswegen, dass B. die Nacht
	        
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