Full text: (Neueste Folge, Band 8 = 1838, No 9-No 16)

500 Ill. Chirurgie und Ophthalmologie, 
Pat. war ganz wie am vorigen Tage; nur hatten die Respira- 
tionsbeschwerden und der Husten etwas zugenommen, Den 18, 
Juni. Die Respirationsbeschwerden waren noch heftiger gewor- 
den, der Durst war fast nicht zu stillen. Pat. konnte aber 
das Getränk nicht hinabschlucken; denn sobald es in den Schlund 
kam, entstand Husten und das Getränk floss mit sehr vielem 
zähem Schleime vermischt aus dem Munde. Das Gesicht war 
auffallend blass, die Haut, die gelähmten Theile abgerechnet, 
mit warmem, aber klebrigem Schweisse bedeckt; der Puls sehr 
klein und frequent. Nachmittags 4 Uhr wurde das Athemho- 
len immer beschwerlicher, röchelnder, Pat. verlor das Bewusst- 
sein und verschied nach 2 Stunden, Die letzten Tage hatte 
sich die Geschwulst gar nicht verändert. Mit der Verminde- 
rung des Herzschlages im Todeskampfe nahm auch die Pulsa- 
tion in der Geschwulst ab, und mit dem letzten Herzschlage 
verlosch auch die Pulsation in der Geschwulst. — Am folgen- 
den Tage wurde die Section unternommen, Um die Puls- 
adergeschwulst frei zu präpariren, wurde zuerst die Brust- 
höhle geöffnet, das Sternum oben durchgesägt, sodann das 
Acromialende der Clavicula, und nun wurde am Halse die 
Carotis blossgelegt und abwärts die mit den benachbarten Thei- 
len fest verwachsene Geschwulst herauspräparirt. Die Geschwulst 
hatte den Umfang einer grossen Mannsfaust, ihre Wandungen 
waren fest und lJederartig, innerhalb derselben fand sich ein 
grosser Theil der Clavicula, Dieser Knochen war an der nach 
unten, nach der Höhle der Geschwulst zu gerichteten Fläche 
durch Caries so zerstört, dass er beim Herausnehmen zerbrach, 
In der Geschwulst befand sich viel festes, coagulirtes Blut; 
der nach den Wandungen des Sacks gelagerte Theil desselben 
war mit jenen so innig vereinigt, dass man ihn kaum mit dem 
Messer davon trennen konnte; dieser Umstand sowohl, als auch 
die eigenthümliche Färbung und Structur dieser Masse (sie sah 
rothbraun aus und schien bloss aus festem Faserstoff zu beste= 
hen) beweisen, dass dies kein Coagulum seyn konnte, was 
sich seit Kurzem gebildet hatte; die Dicke desselben betrug 
etwa einen Zoll, in der Mitte aber befand sich eine Höhle und 
in dieser eine erst vor Kurzem gebildete coagulirte Bilutmasse, 
Der bei seinem Ursprunge aus der Aorta abgeschnittene Trun- 
cus anonymus wurde der Länge nach aufgeschnitten und es be- 
fand sich der Theilungsstelle in die Subclavia und Carotis ge- 
genüber in der äusseren Wand des Truncus eine längliche 
Oeffnung, die in die Höhle der Pulsadergeschwulst führte, 
Brachte man durch den Truncus eine Sonde in die Carotis, 
eine zweite in schräger Richtung in die Subclavia, und eine 
dritte aus dem aufgeschnittenen Sacke durch jene abnorme 
Oeffaung ia den. Truncus anonymus, so Kkreuzte die dritte
	        
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