Full text: (Neueste Folge, Band 8 = 1838, No 9-No 16)

I. Chirurgie und Ophthalmologie, ‘499 
untersuchen zu können, entfernte D. die auf der Wunde liegende 
Charpie und Compresse, und fand die Abnahme der Pulsation 
in derselben und die geringere Schmerzhaftigkeit bei einem 
Drucke bestätigt, auch schien die Geschwulst kleiner geworden 
zu seyn, In der Schulter und dem Arme der Jeidenden Seite 
hatte Pat. keine Schmerzen mehr, sie konnte den Arm sogar 
bewegen, klagte aber über Schmerzen beim Schlucken, die 
offenbar von der Wunde am Halse und der Entzündung der- 
selben herrührten. Der Puls war, wie früher, Die sonst sehr 
leise und heisere Sprache war lauter und heller. Einige Male 
war Leibesöffnung erfolgt. Gegen Abend ward die Respiration 
etwas erschwert und es stellte sich Hüsteln ein. Da der Puls 
voller geworden und das Gesicht geröthet und heiss war, so 
wurde abermals eine Venäsection von Une, xi). verordnet, 
Den 16. Juni. Pat, hatte bis 2 Uhr Morgens geschlafen, Ge- 
gen 4 Uhr klagte sie über Verdunkelung vor den Augen, Sau- 
sen vor den Ohren, ward sehr unruhig und fing au zu phan- 
tasiren. Sie fasste den linken Arm mit der rechten Hand an 
und warf ihn aus dem Bette; der Arm fühlte sich auffallend 
kälter als der gesunde an, war empfindungslos und der Puls 
am Handgelenke kaum fühlhar. Fast eben so gelähmt war die 
linke untere Extremität, Das Gesicht zeigte weder im Ausdruck, 
noch in der Temperatur, noch in der Farbe irgend eine Verän- 
derung. Die Pupillen waren nicht erweitert, nicht starr, das 
Gehör nicht beeinträchtigt. Die Zunge war feucht und etwas 
belegt; Pat. verlangte sehr häufig zu trinken, trank aber offen- 
bar mit Schmerzen, denn sie verzog dabei das Gesicht; die Re- 
spiration war sehr erschwert, pfeifend und röchelnd, als wenn 
Paralysis pulmonum eingetreten wäre. Der Puls am rechteu 
Handgelenke war voller, härter und frequenter. D. verordnete 
eine Venäsection von Unc. viij., liess Sinapismen an die Wa- 
den, ein Vesicatorium in den Nacken und eine KEisblase auf 
den Kopf legen, und reichte ein schwaches Infusum florum 
Arnicae mit Natr. sulphur. — Die Respirationsbeschwerden 
minderten sich etwas, Pat. wurde ruhiger und verfiel gegen 
Abend in einen schlafähnlichen Zustand, aus dem sie sich jedoch 
leicht erwecken liess und die ihr vorgelegten Fragen richtig be- 
antwortete. Die linke obere und untere Extremität waren völ- 
lig gelähmt, denn wenn man diese erkalteten Theile auch stark 
berührte, so wachte Pat, davon doch nicht auf und auch nur 
an der rechten Wade hatte sie über die Wirkung des Seufpfla- 
sters geklagt. Der Puls am rechten Handgelenke war am 
Abend verschieden, theils klein und weich, theils voll und hart, 
immer aber frequent, die Zahl der Schläge unter 100 in der 
Minute. Das aus der Ader gelassene Blut hatte keine Spur 
einer Crusta inflammatoria. Den 217. Juni, Das Befinden der 
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