Full text: (Neueste Folge, Band 8 = 1838, No 9-No 16)

UI. Chirurgie und Ophthalmologie, 489 
zuständen die Unterbindung der Carotis communis dextra vor- 
zunehmen, beide Fälle endigten tödtlich, nachdem Lähmung 
der entgegengesetzten Körperhälfte vorausgegangen War. —- 
Dergleichen paralytische Zufälle nach dieser Operation haben 
auch andere Wundärzte beobachtet, wie v, Gräfe und Ast- 
ley Cooper; allein in den beiden von diesen erwähnten 
Fällen verlor sich der paralytische Zustand nach einiger Zeit 
wieder, während in den hier zu erzählenden Fällen der Tod 
eintrat. 1) Unterbindung der Carotis wegen eines 
Markschwammes im Munde, Im October 1836 wandte 
sich ein 49jähriger Mann an D. wegen eines anscheinend sehr 
geringfügigen Uebels am Gaumen._, Der Mann hatte ein voll- 
kommen gesundes Aussehen und schien von sehr kräftiger Con- 
stitution zu seyn, auch hatte er bisher eine ungetrübte Gesund- 
heit genossen, In jüngeren ‘Jahren hatte er einmal einen 
Chanker gehabt und vor 4 Jahren einige Zeit an Gicht in den 
Knieen gelitten, wovon er jedoch seit länger als 3 Jahren 
vollkommen frei war.. Seit mehreren Wochen hatte sich eine 
kleine Geschwulst von der Grösse einer Haselnuss an der 
Gränze des harten und weichen Gaumens eingestellt; Schmer- 
zen hatten ihn auf dieselbe nicht aufmerksam gemacht, son- 
dern nur ein unangenehmes Gefühl am Gaumen bei Bewegun« 
geu der Zunge. Die Bedeckungen der Geschwulst waren nicht 
verfärbt, und selbst bei starkem Drucke auf dieselbe klagte 
Pat. nicht über Schmerzen, sie fühlte sich etwas weich, gleich- 
sam dunkel fuctuirend an. Als Ursache wusste er nichts wei- 
ter anzuführen, als dass er durch seine Geschäfte gezwungen 
sei, sich den ganzen Tag jeder Witterung auszusetzen, und 
dass er früher sehr an schweissigen Füssen gelitten habe, wel- 
ches aber jetzt, wohl in Folge der Erkältung, nicht mehr der 
Fall sei. D. hielt die Geschwulst am Gaumen für einen rheu- 
matischen, kalten Abscess, und glaubte auf die Unterdrückung 
der gewohnten Fussschweisse als veranlassende Ursache beson- 
ders Rücksicht nehmen zu müssen, er verordnete daher ent- 
sprechende Mittel. Allein die Geschwulst wurde von Woche 
zu Woche grösser, sie bekam dentlicher den Anschein von 
Fluctuation, und im November bildeten sich auf ihrer Ober- 
fläche Excoriationen, die in Exulceration übergingen, woraus 
beim Essen, Trinken und Sprechen dem Pat. einige Schmer- 
zen erwuchsen. Zugleich stellte sich auch Verstopfung in der 
Nase ein, erst auf der rechten, dann auf der linken Seite, 
welche bald einen solchen Grad erreichte, dass.er keine Prise 
Tabak mehr nehmen konnte, Die Untersuchung liess nichts 
von einem Polypen in der Nase oder einer Anschwellung, oder 
Auftreibung in derselben entdecken. Das allmählige Wachsen 
der Geschwulst, so wie das Entstehen dieser Verstopfung in 
der Nase zeigten offenbar ein tieferes Erkranktsein der ergriffe-
	        
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