Full text: (Neueste Folge, Band 8 = 1838, No 9-No 16)

IX. Chirurgie und Ophthalmologie, 487 
des untern Orbitalrandes und der untern Fläche der Orbita: 
dann durchsägte er den Jochbogen, hierauf, in die Tiefe drin- 
gend, resecirte er nach einander die tiefer gelegenen Theile 
des Oherkiefers, das ganze knöcherne Gaumengewölbe bis an 
das Velum und den ganzen Processus alveolaris. Mehrere 
grössere knorpelige, noch nicht ganz erweichte Knochenpartieen 
wurden nach und nach mit dem Messer entfernt und die Wan- 
dungen dieser grossen Höhle mit glühendem Eisen gebrannt, 
Die Blutung hörte dann bald auf und D. konnte die Gesichts- 
wunde vereinigen, wozu im Ganzen 20 Suturen nöthig waren. 
Pat. konnte nach der Operation noch stehen; man brachte ihn 
ins Bett und reichte ihm Wein und Wasser, Die Behandlung 
war mässig kühlendz als die Kräfte am nächsten Tage mehr 
sanken, erhielt er Infusum Valerianae, bald darauf aber 
musste man zu Saturationen und Selterwasser zurückkehren 
und durch Bitterwasser Oeffnung machen. Am 4. Tage war 
die ganze Gesichtswunde geheilt und alle Nähte entfernt. We- 
gen ungemein dünner Haut bildete sich am innern Augenwinkel 
eine penetrirende Oeffnung , deren Heilung bald erfolgte. Bei 
gelind nährender und stärkender Behandlung verliess Pat. am 
14, Tage das Bett und konnte im Zimmer umhergehen. — Bei 
einer 60jährigen Frau war seit Janger Zeit nach allmähligem 
Ausfallen der Backenzähne der rechten Seite des Unterkiefers 
eine Geschwulst entstanden, welche den Umfang einer Faust 
erreichte, Schlucken, Athmen und Sprechen sehr erschwerte, 
und das Leben bedrohte, da sie Mund- und Rachenhöhle gröss- 
tentheils ausfüllte. . Nach oben war sie frei, und nach unten 
steckte sie zwischen der äussern und innern Lamelle des aus 
einander getriebenen Unterkiefers, Bei der Exstirpation mit dem 
Messer war es wegen ungemeiner Laxität der Lippen nicht 
nüthig, den Mund. zu spalten, die Geschwulst wurde mit einer 
Hakenzange hervorgezogen und mit dem Messer ausgeschnitten, 
Hierauf sägte D. die hoch hervorragenden Räder des in der 
Mitte resorbirten Unterkiefers ab, Die Heilung erfolgte in we 
nigen Wochen, nach längerer Zeit stiess sich noch ein Kno- 
chensplitter ab. Die Geschwulst war fibrös, an ihrer vordern 
und ebenen Fläche bildete sie einen hydatidösen Sack mit klarer, 
eiweisstoflizger Flüssigkeit. In den meisten angeführten Fällen 
von Osteosarcom hatte D. vorher innere und äussere Mittel an-= 
gewandt; doch leisteten diese nie etwas, das Uebel entwickelte 
sich während der oft Monate lang fortgesetzten Cur gleichmässig, 
Dies geschah bei Anwendung von Mercur, Jod, Gold und De- 
coct. Zittm. Das reine Bleiextract äusserlich bewirkte biswei- 
Jen einen Stillstand. Bei den meisten Pat, fing der Schwamm 
mit einer Alveola an und zog nicht Knks und rechts zur hal- 
ben anderen Alveola hinüber, sondern ergrilf gewöhnlich eine 
benachbarte, dann die nächste u. 8. w. Selten verbreitete sich
	        
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