Full text: (Neueste Folge, Band 8 = 1838, No 9-No 16)

186 El. Chirurgie und Ophthalmologie, 
dünnen, tief gesunkenen Weichtheile erhoben sich leicht tur- 
gescirend, und schon am dritten Tage war die Vereinigung so 
gelungen, dass sämmtliche Nähte entfernt werden konnten. Ohne 
weitere Zufälle war die Kranke nach wenigen Wochen su weit 
hergestellt, dass sie das Bett verlassen konnte, Nach völliger 
Genesung war noch zweierle! an dem Gesichte zu verbessern: 
zuerst die Schliessung der Oeffnung und zweitens das durch 
die innere Vernarbung etwas herabgezogene Augenlid in die 
Höhe zu bringen. Ersteres gelang nach einigen, wegen gro0s- 
ser Dünne der Hautränder bei mangelnder Unterlage, misslun- 
genen Versuchen vollkommen durch Wundmachen der Ränder, 
Anlegung von Suturen und Herbeiziehen der benachbarten Haut 
durch seitliche Incision ‚unterstützt; letzteres war noch nicht 
ganz gehoben. Die Dame erfreut sich seit einem Jahre der be- 
sten Gesundheit und besucht Gesellschaften. Von einem Reci- 
div zeigte sich keine Spur. Die innern grossen leeren Räume 
haben sich verkleinert, das Gesicht ist natürlich und auf beiden 
Seiten beweglich. Die resecirten und exstirpirten Geschwülste 
sind fibröser Beschaffenheitz; die Knochen sind theils resorbirt, 
theils stecken sie in den Geschwülsten als verdünnte gesunde 
Platten, — Ein 50jähriger Mann hatte seit Jahren eine all- 
mählig zunehmende Anschwellung der Knochen der linken Ge= 
sichtshälfıe bemerkt, er hatte wenig Schmerzen, nur das dumpfe 
Gefühl eines Druckes verliess ihn nicht. Die Nase war nach 
rechts hinübergedrängt und der linke Flügel höher als der rech- 
te, welcher die kugelige Geschwulst mit bedeckte. Die Haut 
der Wange war bläulich-roth und von mehreren Fistelöffnungen 
durchbohrt, das linke Nasenbein, der Augenhöhlenrand und das 
Jochbein fühlten sich erweicht an. Liess man den Mund öff- 
nen, 80 fand man den Zahnfortsatz des Oberkiefers nebst den 
ganzen harten Gaumen in eine speckige Masse verwandelt, 
Pat. hatte zwar viele bei Knochenkrankheiten gerühmte Mittel 
gebraucht, zuletzt auch das Decoct. Zittm. eimge Zeit getrun- 
ken, doch die Krankheit hatte sich gleichmässig entwickelt und 
war im Begriff, die Wangenhaut zu durchbrechen. Pat. suchte 
bei D. Hülfe, Dieser begann die Operation mit der Spaltung 
des Gesichts, indem der Schnitt durch Nase und Oberlippe in 
den Mund hineinging. Ein oberer Querschnitt wurde io die 
Augenlidspalte hineingeführt und das untere Augenlid, die Na- 
senhälfte, nebst Wange und Oberlippe von den darunterliegen- 
den weichen Knochenmassen abgetrennt, bis der Musc. masse- 
ter frei dalag. Dann trennte D. auch die ganze rechte, zer- 
spaltene Oberlippe vom Knochen, worauf er an die Resection 
ging. In der Mitte des Processus alveolaris anfangend, durch- 
sägte er zuerst den Unterkiefer von unten nach oben, indem 
die Säge die Nase spaltete; führte das Instrument dann queer 
durch in die Augenhöhle hinein und entfernte den grössten Theil
	        
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