Full text: (Neueste Folge, Band 8 = 1838, No 9-No 16)

400 I. Pathologie, Therapie und medicinische Klinik, 
äussere Fläche des Schenkels herab längs dem Laufe des N. 
ischiadicus gesetzt, S, hält die Schröpfköpfe für das Haupt- 
mittel und zieht sie hier, wie überhaupt bei allen entzündlichen 
Affectionen des Rückgrats, des Kreuzes und der Gelenke, vor- 
ausgesetzt, dass die sie bedeckende Hautpartie nicht. zugleich 
mitleidet, so wie in den rheumatischen Leiden dieser Theile, 
welche örtliche Blutentziehung überhaupt zulassen „, nach seinen 
Erfahrungen unbedingt den Blutegeln vor, Vielleicht, dass ge- 
rade im starken Reize, den sie zugleich in der Haut hervor- 
rufen und der dadurch bedingten Ableitung das Ausgezeichnete 
ihrer Wirkung liegt. Es ist aber nothwendig, dass die Köpfe 
möglichst Iluftleer aufgesetzt werden, damit sie die Haut, so 
weit als irgend möglich in sich saugend, recht hohe Beulen bil- 
den und dass man, wenn die Köpfe fest sitzen, mit demsel- 
ben wiederholt schiebend eine Bewegung mache, als wolle man 
sie mit der eingesogenen Hautbeule losreissen, ohne sie jedoch 
früher von der Haut zu entfernen, als es ihre Anfüllung mit 
Blut fordert, Dies Verfahren ist zwar allerdiugs sehr schmerz- 
haft, trägt aber wesentlich zum Gelingen der Cur bei. Zu- 
gleich erhält Pat. den Tag über einen abführenden Salztrank 
mit etwas Nitrum und Abends ein Pulver aus Culom. gr. 3Vv. 
Camph, gr. }.—ij., Opit, Pulv. rad. Ipecac. aa. gr. 3. mit 
Thee. In der Regel ist schon Tags darauf der Schmerz sehr 
gemildert und die leidende Extremität wird freier bewegt. Ist 
dies aber der Fall noch nicht, so wird dasselbe Verfahren so- 
fort uoch ein Mal eingeleitet und dann am dritten Tage, was 
sonst schon den zweiten geschieht, ein langes, schmales Vesi- 
cator von der Grube hinter dem Trochanter major au der äus- 
seren Seite des Schenkels herab nach dem Verlaufe des Ner- 
ven gelegt und neben der Salzmixtur und dem Abendpulver 
gleichzeitig das Ung. hydrarg. ciner., das, um die reizend ablei- 
tende Wirkung auf die Haut zu erhöhen, mit gleichen Theilen 
Linim. ammon. und etwas Camphor und Tinct. opii geschärft 
wird, fleissig eingerieben. So ist dem Verf. die Heilung ge- 
wöhnlich in 4—6 Tagen geglückt. War aber das Uebel schon 
älter und schon Exsudation zugegen, so hat er die Heilung mit 
diesen Mitteln uud den anhaltend fortgesetzten Ableitungen, so, 
dass dann immer einen Tag um den andern ein langes bandartiges 
Vesicator neben dem andern gelegt wurde, zwar ungleich langsamer 
als in frischen Fällen, aber doch viel sicherer erfolgen sehen, als 
durch Terpentinöl, Leberthran und Kreosot. — Vom Sublimat, 
dem zuverlässigsten Heilmittel der wahren rheumatischen Uebel, 
die in den fibrösen Membrauen sitzen, hat der Verf. in dieser 
Krankheit gar keinen Nutzen gesehen. Aber auch mit Terpen- 
tinöl, Kreosot und Leberthran allein ohne vorherige oder gleich- 
zeitige kräftige Anwendung der Schröpfköpfe, Vesicatore und
	        
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