Full text: (Neueste Folge, Band 8 = 1838, No 9-No 16)

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IV. Gynäkologie und Pädiatrik, 
(bereits verstorbenen) Geburtsärzte, Prof. W. Schmitt, und 
D. M., letzterer war Ordinarius, Die Pat. war 38 Jahre alt, 
von starker, gedrängter und kleiner Leibesbeschaffenheit, san- 
guinischem Temperamente, seit ihrer Jugend mit schweren häus- 
lichen Arbeiten beschäftiget, jedoch gesund, mit Ausnahme ei- 
nes Hustens, welcher alle Jahre fast um dieselbe Zeit zurück- 
kehrte, und eines Wechselfebers, welches nach 2 Jahren durch 
ärztliche Hülfe verschwand; übrigens war sie seit dem 15, 
Jahre stets regelmässig menstruirt, und. seit zwei Jahren vers 
heirathet. — . Während der Schwangerschaft hatte sie auffallend 
braune Flecken im Gesichte, und bis zum Ende der ersten 
Hälfte derselben zwar nicht häufiges, aber sehr schweres Er- 
brechen, jedoch schien die Schwangerschaft ihren normalen 
Termin überschritten zu haben, Die Geburt dauerte schon 10 
Tage, die Gebärende hatte seitdem wenig geschlafen, das Ge- 
sicht war aufgetrieben, sehr roth, die Augen im hohen Grade 
Jichtscheu, daher geschlossen, die Gebärende lag fast unbeweg- 
lich, sich kaum bewusst, und in zeitweisem. Irrereden begriffen, 
Der Muttermund war bis zur Grösse eines Krounthalers erwei- 
tert, und am Rande auffallend bei zwei Linien gegen die Pe- 
ripherie minder dick, übrigens sehr gespannt, und ringsum fast 
knorpelhart, Innerlich und äusserlich waren alle erdenklichen 
Mittel, damit aber auch die Kräfte der Gebärenden erschöpft, 
der Wehendrang seit 3 Tagen gänzlich verschwunden und der 
Muttermund seitdem unverändert. Die Wehen schienen der Ge- 
bärenden nicht nach ab - sondern nach aufwärts zu wirken, wes- 
halb sie bei jeder Wehe die Hände in die Höhe schwang, aus 
vollem Halse schrie, und darauf äusserte: sie habe das Gefühl, 
als wolle das Kind beim Munde heraus, Es wurde heschlos- 
sen, durch Einschnitte in den Muttermund die Geburt möglichst 
zu beschleunigen, und diese Operation W. von dem Prof, 
Schmitt übertragen, welcher dazu das geknöpfte. krumme Bi- 
stouri vorschlug. W. entschied für die Anwendung einer star- 
ken geraden Scheere. — Die Pat. wurde auf ein Querbett 
gebracht, dann zuerst der beölte Zeige- und Mittelfinger der 
lioken Hand in den Muttermund, bis einen Zoll hinter und 
über der linken Muttermundwand, darauf die ihrer Kälte be- 
raubte und heölte geschlossene Scheere bis an den Rand des 
Muttermundes eingeführt, das stumpfe Blatt der Scheere gegen 
die Gefühlsfläche des Mittelfingers gekehrt, die Scheere eröffnet, 
ein Blatt derselhen innerhalb, das andere ausserhalb des Mut- 
termundrandes bis auf einen halben Zoll eingeführt, und mit 
Nachhülfe des das Scheerenblatt stets begleitenden Mittelfingers 
der Muttermundrand eingeschnitten, ohne dass die Pat. viel 
Schmerzgefühl äusserte. Prof, Schmitt hatte nach Unter- 
suchung noch 3 bis 6 ähnliche Einschnitte, im ganzen Umfange 
des Muttermundes nothwendig erklärt, und W. diese auf die
	        
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