Full text: (Neueste Folge, Band 8 = 1838, No 9-No 16)

I, Chirurgie und Ophthalınologies 373 
ten aussetzen musste, so blieb erhöhte Reizbarkeit uud stete 
Neigung zur chronischen Entzündung der Augem zurück, welche 
sich durch geröthete Augenlider, etwas Lichtscheu und Thrä- 
nen der Augen, sowie durch leicht geröthete Conjunctiva bulbi 
zeigte, weshalb L. die künstliche Pupillenbildung, wozu ein 
nach dem äussern Augenwinkel gelegener Theil der Cornea Ge- 
legenheit gab, noch nicht vorzunehmen wagte, Als endlich fast 
jede Spur von entzündlicher Beschaffenheit des Auges erloschen 
zu sein schien, hatte der Mann, bei dem sich das Sehvermögen 
wieder etwas vermehrt hatte, die Lust sich operiren zu lassen, 
völlig verloren, und wandte sich erst 1830, da eine abermalige 
Augenestzündung auch den letzten Rest des Gesichts zerstört 
hatte, wieder an L. Dieser bewirkte seine Aufnahme im Cli- 
nico zu Berlin, wo ihm von Jüngken im Februar }831 die 
künstliche Pupille an beiden Augen mit so gutem Erfolge ge- 
bildet wurde, dass Pat. schon nach 4 Wochen entlassen wer- 
den konnte. Indessen bemerkte er schon auf der Reise ein 
Brennen und Thränen der Augen und verlor nach 2 Monaten 
durch eine Entzündung das Gesicht vollkommen. Die Augen« 
lider waren hierauf an den Rändern und auf der innern Seite 
sehr geröthet, und eben so die Gefässe der Conjunctiva bulbı 
angefülltz die Cornea selbst war an mehreren Stellen durchsich- 
ug, au einigen mit der Iris verwachsen, die künstliche Pupille 
klein und mit der Linsenkapsel und. Linse fest zusammenhän- 
gend, welche Letztere man als verdunkelter Körper in jener 
Oeffnung wahrnahm , md obgleich Pat. nichts sah, so schienen 
die Augen doch sehr reizbar gegen das Kinfallen der Licht- 
strahlen, indem sie dann stets thränten und Pat. die Augenli- 
der immer zudrücken musste. L. war der Meinung, zuerst den 
noch vorhandenen schleichenden Kntzündungsprocess zu bheseiti- 
gen, sodann durch beständige Ableitungen auf die Oberarme 
der Neigung zur Wiederkehr entgegenzuwirken, und dann die 
Operation zu unternehmen. ‚Jetzt ging L. mit der Beer’schen 
Staarnadel durch die Sclerotica in die hintere Kammer ein, und 
wollte die Adhäsionen zwischen Iris und Linsenkapsel lösen 
und dann die Reclination der Linse bewirken. Die Verwach- 
sung aber war zu innig, um sie an einem Theile aufzulösen, 
und I. musste das Instrument wieder aus dem Auge entfernen, 
— Einige Tage Ruhe und kalte Ueberschläge reichten hin, um 
jedes schmerzhafte Gefühl zu beseitigen. — Um jene Verwach«- 
sung zu lösen, schien ihm’ das, zur Schmelzung andrer Ge- 
schwülste sich so häufig bewährende E:terband am passendsten, 
L. liess daher eine stark gekrümmte, feine, mit einem Ochr 
versehene zweischneidige Nadel fertigen, legte einen Faden Seide 
ein, und ging nun mit der Spitze durch die Sclerotica so ins 
Auge, dass er die Liuse von hinten her an der Stelle fasste, 
wo sie ag der künstlichen Pupille adhärirte, durchstach sie rasch
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.