Full text: (Neueste Folge, Band 8 = 1838, No 9-No 16)

362 IL. Chirurgie und Ophthalmologie, 
ser momentaner Erleichterung, gegen diesen Krankheitsstolf 
nichts gewirkt; letzterer konute auch, nach gewaltsamer Ent- 
fernung seines Ablagerungsorgans , auf einen unwichtigeren Theil 
des Körpers durch die Kunst nicht abgeleitet werden, verfolgte 
vielmehr seinen eigenen Weg, warf sich auf ediere Organe 
und bereitete ein Leiden, das ungleich schrecklicher und höchst 
wahrscheinlich schneller tödtend war, als das durch die Operation 
entfernte, Dies Leiden gewinnt jedoch für den Denker dadurch 
ausserordentliches Interesse, weil die, durch die Operation ihres 
Organs beraubte Dyskrasie in einer Krankheitsform wieder her- 
vortrat, die, wenigsteus bei uns, zu den allerseltensten gerech- 
net werden darf. Die meiste Aehnlichkeit hatte das Leiden 
mit der Elephantiasis der Alten, Es fand sich dieselbe Unem- 
pfindlichkeit und dieselbe Intumescenz und Härte der Haut, es 
entstanden dieselben schiefergrauen Knötchen und dieselben 
nach und nach in Verschwärung übergehenden Knollen an ver- 
schiedenen Stellen des Körpers; es fand sich derselbe dumpfe 
Ton der Stimme, und zuletzt ähnlicher Einfluss der Krankheit 
auf den Geist. Ja selbst. hinsichtlich der Entstehung tritt die 
grösste Aehnlichkeit hervor. Denn auch die Elephantiasis wird 
von Aretäus als allgemeiner Krebs der Haut geschildert, worin 
ihm die Neuern beistimmen, Eine Verschiedenheit wird dage- 
gen allerdings durch den schnellen Verlauf der Krankheit je- 
ner Frau begründet, wodurch auch Zerstörung der Gelenke 
und Knochen und völliges Ausfallen‘ der Haare höchst wahr- 
scheinlich verhindert wurde, Die andern hier nicht beobach- 
achteten, von den Schriftstellern angegebenen Symptome der Ele- 
phantiasis entbehren nach neueren Beobachtungen des Chara- 
cters der Allgemeinheit. So sprechen die Alten zwar viel von 
heftiger, hier ganz fehlender Aufregung des Geschlechtstriebes 
und bezeichnen die Elephantiasis deshalb auch wohl mit dem 
Namen Satyriasis, Neuere, besonders Kinnis anf Isle le Fran- 
ce, Adams auf Madeira und Batemaon haben jedoch ge- 
rade das Gegentheil beobachtet und in allen Fällen Zerstörung, 
sowohl des Vermögens als der Begierde, durch Elephantiasis 
bemerkt. Ebenso verhält es sich aber auch mit dem Fieber, 
das die Elephantiasis immer begleiten soll, doch bei jenen Frau 
weder ‘ vorher, noch während des Verlaufs ihrer Krank- 
heit beobachtet wurde, — Durch den in Rede stehenden Fall 
und seine sonstigen bei Behandlung von Krebskranken gesam- 
melten Erfahrungen hat sich der Verf. überzeugt, dass, bei 
dem jetzigen Stande der Wissenschaft in Bezug auf Kenntniss 
des Ursprungs und Wesens des Krebses, 'es gerathener ist, eher 
palliativ als gewaltsam einzugreifen, weil im letztern Falle die Kran- 
ken schneller dem Tode verfallen, als im erstern. Zu mehrerem Be- 
weise dieser Behauptung führt der Verf, nur noch kurz einige Fälle 
an, 1833 behandelte er einen 80jähr. Schulmeister am Lippenkreb-
	        
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