Full text: (Neueste Folge, Band 8 = 1838, No 9-No 16)

II, Chirurgie und Ophthalmologie, 361 
mehr nehmen, bis sie Anfangs September 180 Gran Extractum 
und Herba Conti maculati auf den Tag consumirte, ohne dass 
sich Zufälle von Vergiftung eingestellt hätten, aber auch keine 
Genesung wollte sich zeigen. Deswegen wurden jetzt die Ga- 
ben des Coniums nach und nach verringert. Unterdessen hatte 
sich das Leiden s0 gestaltet, dass von keinem Mittel mehr Hülfe 
zu erwarten war, Die Erscheinungen in der Haut hatten sich 
allmählig so verschlimmert , dass die Kranke ihre Glieder nur 
noch mit Mühe bewegen konnte, Der ganze Körper war nach 
und nach angeschwollen, Den grössten Antheil an dieser 
Krankheitsmetamorphose nahmen das Gesicht und die untern 
Extremitäten, jedoch nicht allein diese Theile, sondern auch 
die gesammte Haut war durch den perversen Bildungstrieb hy- 
pertrophisch und steinhart geworden, auf ihrer ganzen Ober- 
fläche zeigten sich kleine, harte, genau umschriebene und an 
verschiedenen Stellen ganz dicht zusammenstehende Knötchen 
von schiefergrauer Farbe. Das Gefühl hatte sich dergestalt ver- 
Joren, dass man auf diesen Knötchen kratzen konnte, ohne der 
Kranken irgend eine schmerzhafte Empfindung zu erregen. Be- 
sonders in den :3 letzten Wochen des Lebens waren die Ge- 
sichtszüge der Frau sehr entstellte, die Augenlider stark ange« 
schwollen, die fortwährend triefenden Augen nur durch einen 
kleinen Spalt zu sehen; die Nasenflügel, die Lippen und die 
Ohren bedeutend .aufzgetrieben und über und über mit kleinen, 
schiefergrauen Knötchen besetzt, Auch hatten sich an einigen 
Stellen des Körpers, besonders am Halse und unter den Armen, 
dicke Knollen bis zur Grösse eines Taubeneies ausgebildet, wel- 
che in Eiterung übergingen, dünne Jauche ergossen und übeln 
Geruch verbreiteten. Endlich brachen sogar die beiden grossen 
Narben auf der Brust wieder auf, ganze Stücke fielen aus der 
Haut, und überall entstanden tiefe, ins Zellgewebe dringende 
und grosse Geschwüre mit schwammigem Grunde; auch hatte die 
Kranke so an Kräften verloren und war so steif geworden, 
dass sie sich nicht mehr vom Lager erheben, ja nicht ein Mal 
die Hand an den Mund bringen konnte, Selbst das Athmenho- 
Jen war mit Mühe verknüpft und der Mund nur so weit zu 
öffnen, um ihr etwas Flüssiges einzuflössen., Der Puls hatte 
kaum 50 Schläge in einer Minute, war träge und kaum zu 
fühlen. Wie der Körper litt auch der Geist, Die Kranke 
schien jetzt an nichts mehr zu denken, ihre Sprache, ein dum- 
pfes, sinnloses und unverstäudliches Lallen, verstummte bald ganz. 
In den letzten Tagen floss fortwährend Geifer aus ihrem 
Mund; die Excreta gingen unwillkührlich ab; die Kranke ver- 
langte nicht mehr zu essen und zu trinken und starb endlich am 
8. Oct, 1832. Die Section wurde nicht gestattet. — Zweifels- 
ohne war hier Dyscrasie der Grund des Krebses und der nach- 
folgenden Leiden, Die mehrmalige Operation hat indess, aus-
	        
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