Full text: (Neueste Folge, Band 8 = 1838, No 9-No 16)

338 1. Pathologie, Therapie und medicinische Klinik. 
krankhafte Absonderung bewirkten, kein anderes Organ auf 
antagonistisches Vicariren schliessen liess; welches Organ sollte 
die hier gänzliche Unthätigkeit der Haut vertreten, als die Le« 
ber? — Aber nur durch die Pfortader kann, nach +. Stosch, 
der Leber diese Masse fremdartigen Ausscheidungsstoffes zuge- 
führt werden; somit würde die vermehrte Absonderung weniger 
auf Rechnung des Leberorgans, als auf die des Systems der 
Pfortader zu stehen kommen. In der Lähmung sich nähernder 
Verminderung der Function der Pfortader suchte v, Stosch die 
nächste Ursache des Diabetes mellitus, in krankhaft erhöhter 
und durch die Leberexcretion vermittelter diese Copropo&sis 
aucta. Wie nun durch so krankhaft gesteigerte Thätigkeit des 
Pfortadersystems die Chylification leiden müsse, indem jenes 
System die Function als Läuterungsapparat für den Chylus über- 
steigt, diesem den für den Körper als Nahrungsstoff bestimmten 
Ersatz entzieht; wie ferner durch Zuführung nicht verarbeiteten 
Nahrungsstoffs durch die Pfortader die Leber gezwungen werde, 
ein qualitativ verändertes und quantitativ vermehrtes Secret in 
den Darmkanal zu ergiessen, das sich hier zur fäculenten Masse 
ausbilden müsse, wird man am oben angeführten Orte mit In- 
teresse lesen. Endlich stimmt auch der hier mitgetheilte Fall 
für die neuropathologische Erklärung des genannten Schriftstel- 
lers, welche Summar, Bd. XI. S. 287 u. 288 angeführt worden 
ist. Warum nun in seltenen Fällen in Einzelnen gerade diese 
Form der Abzehrung entstehe, ist bis jetzt vielleicht noch we- 
piger zu erklären, als, warum in Andern sich ihr Gegenstück, 
der Diabetes entwickele. Vielleicht dass, wie im mitgetheilten 
Falle, eine eigenthümlich erethische Disposition der Leber hin- 
zukommen muss, um diese zu vermögen, die ihr von der Pfort- 
ader aufgedrungenen Stoffe zu secerniren, — Vielleicht dass die 
so gesteigerte Leberthätigkeit gerade in diesen Fällen weu’ger 
finstre Hypochondrie aufkommen lässt, als bei jenen, wo die 
Pfortader, die Porta malorum, in der trägern Leber einen nicht 
so bereitwillizen Ableiter findet und fortwährende Obstructio- 
nen zu bekämpfen hat. Zu wenig ist auch wohl diese Form 
von Krankheiten erkannt worden, als dass man schon aus die- 
sen Fällen schliessen dürfte, dass gerade jüngere Subjecte und 
unter diesen das weibliche Geschlecht ihr vorzugsweise unter- 
worfen wären. Wie mancher solcher Kranken mag, als Hy- 
pochondrist mit dem modernen Auflösungsapparate behandelt, 
die baldige Auflösung gefunden haben, Vorübergehend und sich 
selbst beschränkend wird ein solcher Zustand jedem, den Brun- 
nencuren befreundeten Practiker an Kranken als-erwünschter 
vorgekommen seyn, welche eine auflösendstärkende Brunaencur 
durchgemacht hatten. Warum sollte nicht eine solche Infarcten- 
ausscheidung, die, endlich durch die Naturheilkraft beschränkt, 
als höchst erwünschies Ereigniss längst bekannt ist, gleich an-
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.