Full text: (Neueste Folge, Band 8 = 1838, No 9-No 16)

292 If. Materia medica und Toxikologie. 
ter 3 und Dr. Fürst 2 Fälle mitgetheilt, in denen die Gra- 
natwurzelrinde den glücklichsten Erfolg hatte. Beide rühmen 
von dieser Cur besonders die Schmerzlosigkeit und Leichtigkeit 
des Abganges des Wurmes.. Bei beiden bemerkten die Kran- 
ken auch nachher durchaus keinen Mangel an Kräften, so dass 
dieser Methode der Vorzug vor allen andern zuzugestehen ist. 
Bei dem einen Kranken des Dr. Schruedter ging der Kopf 
nicht mit ab, indessen hehauptet der Kranke, seitdem vollkom- 
men wohl zu seyn. — Den bisher erzählten Fällen fügt der 
Vf. nun noch Einiges über Geschichte und Anwendungsweise 
dieses Mittels bei, wovon das Wichtigste Nachstehendes ist: 
die Rinde der Wurzel des ächten Granatbaums ist keineswegs 
ein neues Mittel. Sie kommt schon bei den Alten vor und zwar 
zu demselben Gebrauch, wozu man sie neuerlich verwendet hat, 
zur Vertreibung des Bandwurms. Dioscorides, C. Plinius 
und selbst M. Porcius Cato rühmen sie zu diesem Zwecke, 
Später wurde sie von Mehreren empfohlen, z. B. von Michael 
Hero, Leibarzt zu Strassburg 1533, und von Ad. Lonicerus 
1609. Erst im Anfange dieses Jahrhunderts wurde Buchanan 
der als englischer Wundarzt sich lange in Bengalen aufhielt, 
auf dies Mittel, das seit undenklichen Zeiten von den Hindu- 
ärzten angewandt wird, aufmerksam und machte es 1807 be- 
kannt, Bald darauf erwähnte J. Flemming der nützlichen 
Anwendung dieses Mittels durch die indischen Aerzte und Dr. 
Hunter und Schoolbred, denen diese Rinde die von ihr 
gehegten Erwartungen nicht ein Mal täuschte, Indess in Eu- 
ropa erregte sie erst Aufmerksamkeit, als 1821 Breton seine 
durch Flemming’s Empfehlung veranlassten höchst glücklichen 
Versuche bekannt machte und kam erst seit dieser Zeit allge- 
mein in Gebrauch. Sehr wahrscheinlich ist die Anwendung der 
Granatwurzelrinde nicht den indischen Aerzten eigenthümlich, 
sondern von den oben erwähnten alten griechischen Aerzten 
durch Vermittelung der Araber zu ihnen gekommen, und so 
dürfte es nicht unwahrscheinlich seyn, dass dies werihvolle 
Mittel , im Abendlande längst bekannt, später dort vergessen, 
im Orient aufbewahrt und uns durch denselben nun erst wieder 
bekannt wurde. Seit Breton’s Empfehlung wurde es nun in 
Europa vielfach versucht. Was Deutschland betrifft, so machte 
zuerst H. Wolff in Bonn 1835 seine Erfahrungen darüber be- 
kannt. In 3 Fällen erreichte er, was er gewünscht hatte, in 6 
Fällen war es zweifelhaft und in 1 ganz erfolglos. Nächstdem 
wurde es in Wien häufig versucht, zuerst von Hartmann, 
Güntner. und Bischoff und nächst ihnen von Köstler, der 
2 Fälle vom Bandwurm und ] Fall von Ascariden glücklich 
damit behandelte, Meisinger in Linz sah Nutzen davon in 
5 Fällen, Herveng in München in einem Fall, Jutmann in 
Bruck an der‘Mur in einem Falle und Osann, der früher in
	        
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