Full text: (Neueste Folge, Band 8 = 1838, No 9-No 16)

I. Materia medica' und Toxikologie, 285 
liess daher Blutegel ad! anum setzen und verordnete Pulver aus 
Kali tartaricum , Kali nitricum und Rheum, Ob sich gleich 
nach diesen Mitteln die Hämorrhoidalbeschwerden milderten, so 
trat doch mit der Pupille keine Veränderung ein, Da die Frau 
am dritten Tage eine Schwere über dem leidenden Auge fühlte, 
liess K. Blutegel hinter die Ohren setzen, Die Eingenommen- 
heit des Kopfes verschwand, allein die Erweiterung der Pupille 
blieb sich gleich, Am 3. Tage verordnete er hinter das Ohr 
der leidenden Seite ein Vesicatorium, welches einige Erleichte- 
rung verschaffte, indem das Spannen im leidenden Auge nach- 
liess; allein die Iris blieb unthätig. — Andere hinzugezogene 
Aerzte gaben als Ursache der Krankheit den Bandwurm ‚an, 
welches K, jedoch nicht für wahrscheinlich hielt, da keine Zei« 
chen dafür zu sprechen schienen. Indessen gab er der Stim- 
menmehrheit nach, da Fälle angeführt wurden, wo durch den 
Bandwurm Convulsionen eingetreten waren, die den halben 
Körper einnahmen , und verordnete daher O7. terebinthinae 33. 
des Morgens nüchtern zu nehmen; um auf das Auge selbst zu 
wirken, wurde das Ol. Cajeput. in die Augenbraunen gerie- 
ben. Das Terpentinöl verursachte grossen Ekel, Leibschmerzen 
und Ohpmachten und konnte daher nicht wiederholt werden, 
Am 10. Tage verschrieb K, das Ol. aeth. filicis maris *°j. mit 
einer hinreichenden Quantität Pulver der Wurzel desselben Mit- 
tels und liess daraus 24 3gränige Pillen bereiten und in 2 Aben- 
den verbrauchen; den Tag darauf nahm Pat. nüchtern 3ij. Wie- 
ner Tränkchen. Am 13. Tage liess K. die Pillen: nochmals 
machen, indem er die Dose des Ol. filicis bis zu 5%. vergrös- 
serte, Tags darauf nahm Pat, das Wiener Tränkchen noch ein 
Mal, doch der Bandwurm zeigte sich nicht. Hieraus schloss 
K., dass die Erweiterung der Pupille ein idiopathisches, von 
Lähmung der Iris herrührendes Leiden seyn müsse, und verord- 
nete innerlich die Rad. Valerianae und Flores Arnicae, aufs 
Auge selbst wandte er mehrere Reizmittel an, ausserdem legte 
er ein Vesicatorium über die Augenbrauen. Nach mehrtägigem 
vergeblichem Verfahren wandte er die gegen Amaurosis em- 
pfohlenen Mittel anz aber ungeachtet des länger fortgesetzten 
Gebrauchs des Extract, Pulsat, und der mehrmaligen Einreibun- 
gen von Canthariden in der Nähe des Auges, erfolgte nicht die 
mindeste Veränderung. — Durch Folgerung gelangte K. jetzt 
auf die Anwendung des Mutterkorns. Da das Ertr. Bellad. 
auf das Innere des Auges applicirt eine Erweiterung der Pupille 
bewirkt, und da dasselbe Mittel gleichzeitig in der Geburtshülfe 
benutzt wird, um den Krampf des Gebärmuttermundes zu he- 
ben, schloss K., dass ein Mittel, welches innerlich angewandt 
eine Contraction der Gebärmutter verursacht, eine ähnliche Wir- 
kung auf die Iris ausüben könnte. Hierzu berechtigte ihn die 
Aunalhme, dass die Zusammenziehung und Erweiterung der
	        
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