Full text: (Neueste Folge, Band 8 = 1838, No 9-No 16)

272 1. Pathologie, Therapie und medicinische Klinik, 
dass er in derselben Stellung todt bleibt. Schon Himly hat 
den Gedanken ausgesprochen, den Bandwurm, nach vorgängi- 
ger Narkose mittelst des Opiums, durch Drastica auszutreiben, 
und da R. bei einem merkwürdigen Krankheitsfalle, der mitge= 
theilt werden soll, diesen Ausspruch auf eine eclatante Weise 
bestätigt fand, befolgte er denselben in seiner Praxis, Vorberei- 
tungen zur Cur sind unnöthig. Beginnt man Morgens mit eini- 
gen Tassen Haferschleim , 58. Pulv. Dower, (für Erwachsene) 
und etwa nach 2 Stunden mit dem Ol. Ricinzi, stündlich Esslöffel- 
weise und fährt damit bei leichten Suppen, wenn Appetit da ist, 
fort , so erreicht‘ man gewöhnlich schon Abends das Ziel. Sollte 
indess nicht der ganze Wurm abgehen, so wird ein wiederhol- 
tes Verfahren ihn am andern Tage in einem Ballen abtreiben. 
R’s,“Beobachtungen erstreckten sich blos auf die Taenza solium, 
er zweifelt jedoch nicht, dass auch die Lata demselben Ver- 
fahren weichen wird. — Der erwähnte Krankheitsfall ist fol- 
gender: Ein 30jähriger starker Schmidt hatte eine heftige Lun- 
genentzündung, die bis zum 6. Tage nur oberflächlich von einem 
Chirurgen behandelt. war , dennoch durch hülfreiche Vermittelung 
dreister Gaben Bleis mit Opium glücklich überstanden, so dass 
er am 14, Tage schon wieder einen öffentlichen Ort besuchen 
wollte, welchen Entschluss aber ein Streit mit seiner Mutter 
und ein hierauf beginnendes Gefühl von Unbehaglichkeit im 
Unterleibe vereitelte, Der Mann achtete dies nicht und sass 
ruhig im Kreise der Seinen, als er plötzlich gegen die Dämme- 
rung in die hefügste Mania furibunda gerieth, dass ihn vier 
starke Männer kaum überwältigen konnten, Ein Chirurg ver- 
anstaltete Aderlass und kalte Umschläge auf den Kopf, doch 
ohne Erleichterung, wie R. fand; auch war die Ader durch das 
Toben bereits wieder aufgesprungen und in starker Blutung. 
R. redressirte den Verband, und forschte dann nach der Ursache 
der so heftigen und plötzlichen Krankheit.‘ Ausser dem erwähn- 
ten Aerger, und wiederholter starker Erkältung, kamen schäd- 
liche Einflüsse nicht zur Anamnese. Der Puls war gross, nicht 
voll und sehr expandirt, weich, etwa 80 Schläge, der Athem 
mühsam, oft Kuirschen mit den Zähnen und wie Verbeissen 
eines Schmerzes, der alle Viertel oder halbe Stunden das kaum 
gestillte Toben wieder hervorzurufen schien, Ein Druck auf 
den Unterleib hatte mehrmals dieses Verziehen des Gesichts 
nebst den furiösen Paroxysmen zur Folge, ohne dass man durch 
das Gefühl etwas Abnormes entdecken konnte. Entzündung 
war hier, besonders nach einer so eben überstandenen und mit 
Aderlass und den kräftigsten Antiphlogisticis so durchgreifend 
behandelten Pueumonie, und bei der gänzlichen Unwirksam- 
keit des vorherigen Blutverlustes nicht anzunehmen, vielmehr 
eine periodische abdominelle Reizung, nur unbestimmt von wel- 
cher Art. R, wählte die Form des Pulvis Dower, und reichte
	        
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