Full text: (Neueste Folge, Band 8 = 1838, No 9-No 16)

I. Pathologie, Therapie und medicinische Klinik, _ 259 
Schwerfälligkeit im Denken, ein geringer Grad von Schwerhö- 
rigkeit und Decubitus übrig waren, traten am 20. Brustbe- 
schwerden ein, welche die Zeichen einer Phithisis incipiens 
darstellten und daher der Hauptgegenstand der Behandlung wur- 
den. Häufiger, meist trockener Husten, flüchtige Stiche und 
vermehrte Fieberbewegungen, besonders in den Abendstunden, 
waren die wesentlichsten Erscheinungen derselben.— Die Be- 
handlung beschränkte sich Anfangs nur auf rein demulcirende 
Mittel und nur allmählig ging S. zu der stärkenden Methode 
über. Yo Hinsicht des Geschwüres verordnete S, nur einfache, 
reinigende , später gelind reizende Einspritzungen. Der Erfolg 
dieses Verfahrens war durchaus günstig, indem die Genesung 
zwar langsam, aber vollständig erfolgte, Um die sehr gesun- 
kenen Kräfte zu heben und Rückfälle zu verhüten, wurde der 
Genesene jedoch bis zum 21. Nov. im Lazarethe behalten. — 
Am 3. Jan. 1836 kam er wieder ins Lazareth und am 18. Jan. 
starb er in Folge einer rheumatischen Metastase nach dem Ge= 
hirn, welche aber. mit der früheren Krankheit in keinem Zu- 
sammenhange stand. II. Ein 21jähriger Musketier, kräftiger 
Constitution und früher nie bedeutend krank, wurde am 20. 
Oct, 1836 mit einem lebhaften synochischem Fieber ins Laza- 
reth aufgenommen. Die Ursache der Krankheit war, nach sei- 
ner Aussage, Erkältung, Es waren jeduch weder catarrhalische, 
noch rheumatische ausser einer noch leichten Diarrhöe , gastrische 
Beschwerden zugegen; dagegen war die Sprache zitternd, träge 
und bei einzelnen Sylben aussetzend, Pat, konnte wegen Schwä- 
che und fortwährenden Zitterns der Extremitäten kaum allein 
gehen. Dieses‘ Zittern erstreckte sich auch auf den Kopf, den 
Pat. auch in der Rückenlage kaum still halten konnte. Jedoch 
waren die Geistes- und Sinnesfunctionen ungestört und ausser 
unbedeutendem Drucke in der Stirngegend hatte Pat, keine 
Schmerzen, Wahrscheinlich war der Hauptsitz der Krankheit 
an der Basis cranii oder in der Medulla oblongata und den 
angrenzenden Theilen zu suchen, allein es blieb zweifelhaft, 
welcher Art dieses Leiden sei. S,. beschränkte sich daher auf 
gelind antiphlogistische Mittel; jedoch der Verlauf der Krankheit 
entschied bald für die reizende Methode, da sich nach 5 Ta- 
gen der asthenische Character des Fiebers deutlicher entwickelte. 
Der Puls sank sehr schnell und nahm an Frequenz zu, die 
Schwäche wurde grösser, das Zittern der Glieder stärker, 
Zunge und Haut trocken, in dem Benehmen und den Aensse- 
rungen des Pat. zeigte sich Schwerfälligkeit und Unbesinnlich- 
keit. Obgleich keine Zeichen für eine Affection des Darmka- 
nals oder der Respirationsorgane zugegen waren, 80 liess S. 
doch einige Dnsen Calomel zu 1 Gran reichen, um einer exsu- 
dativen Entzündung in den Häuten des Gehirns und des Rücken- 
marks entgegenzuwirken; da aber nach 6 Dosen sehr häufige 
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