Full text: (Neueste Folge, Band 8 = 1838, No 9-No 16)

II. Materia medica und Toxikologie, 213 
ihm gerade da seit einer Reihe von Jahren bewährt haben, wo 
nach Cohen der Chlorkalk nöthig ist. Abwesenheit jedes 
Reizzustandes im angegriffenen Organ, möglichste Fieberlosig- 
keit, leichter copiöser, purulenter, oder auch brauner und übel- 
riechender Auswurf, doch ohne Beimischung reinen Bluts, 
kurz: vollkommene Colliquescenz im Lungeuorgan bei nicht gar 
zu tief gesunkener Lebenskraft und Abwesenheit colliquativer 
Diarrhöe, das sind die Umstände, unter denen sich dem Verf, 
die Wirkung der unveränderten Griffith’schen Mixtur immer 
am glänzendsten bewährt hat, Da nun reiner Collapsus weni- 
ger der Phthisis tuberculosa als der Lungensucht eigen ist, die 
in nach vernachlässigten Pneumonieen oder übel behandelten 
Catarrhen entstandener Vomica begründet ist, oder als 8. g. 
Phihisis pituitosa auftritt ,. so folgt daraus, dass die eigentliche 
Wirkungssphäre des Griffich’schen Mittels sich vorzugsweise 
nur auf letztere Fälle beschränkt, denen wohl auch die hier 
als Beleg folgenden kurzen, aus vielen ausgehobenen Kranken- 
geschichten angehört haben mögen, , Ein 25jähriger Oeconom 
hatte seit einem Jahre an Lungensucht gelitten und war endlich 
von seinem Arzte als unheilbar aufgegeben worden. . P. fand 
bei seinem Besuche einen jungen, biassen, schlanken und bis 
auf das äusserste abgemagerten Mann, der das vollkomımnenste 
Bild des letzten colliquativen Stadiums der Lungensucht gab, 
Unterdessen waren noch keine erschöpfenden Diarrhöen einge= 
treten, der Puls war, wenn auch frequent, doch weich und 
die Hauttemperatur nicht bedeutend erhöht, jene selbst aber 
feucht. Der Schwäche ungeachtet bestand Pat. doch darauf, das 
Bett zu verlassen und sich auf einen Stuhl zu setzen, um dem 
Verf. die Art des Auswurfs in ganzer Stärke zu zeigen, der denn 
auch gleich in unglaublicher Menge, braun, missfarbig und 
cadaverös riechend hervorquoll und einen gewöhnlichen Nacht- 
topf bis auf ein Drittel anfüllte, P, verordnete nun, gestützt 
auf. einige frühere Erfahrungen und bei offenbarer Dringlichkeit 
des Falles, sogleich ohne alle Vorbereitung die Griffith’sche 
Mischung mit, Tinct, cort. Peruv., ganz so wie sie in Jahn’s 
Mat. med. Bd. I. S. 134, angeführt ist. (Die Griffith’sche 
Mischung besteht in folgendem: Rec, Ferr, sulph. cryst. dj. 
Kali carb. e Tartı gr. xxv. solv. in Aqu. menth, crisp. 3vVil]. 
add, Myrrh. pulv. 3]. antea c. Sacch. alb. 33. contr. M.'D. 
S. Umgeschüttelt 4 Mal täglich 1—2 Esslöffel voll). Schon 
nach Verbrauch von 2 Portionen, jede von etwa 8 Unzen, stell- 
ten sich unzweideutige Symptome der Besserung ein und nach 
2 Monaten, in denen Pat. ausser erwähnter Mixtur kein an- 
deres Mittel genommen, war er so vollkommen wieder herge« 
stellt, dass am dem kräftigen und wohlgenährten Manne nichts 
von dem frühern Uebel zu bemerken war. — Ein ähnlicher, doch 
weniger intensiver Fall war der eines Schneiders, Derselbe
	        
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