Full text: (Neueste Folge, Band 8 = 1838, No 9-No 16)

fi. Pathologie, Therapie und medicinische Klinik. 207 
Excremente, Zunahme der Lähmung bei Steigerung der Licht- 
scheu, leichte convulsivische Bewegungen der nicht gelähmten 
Seite, und in der achten Woche der Krankheit der Tod. — 
Die Behandlung war streng antiphlogistisch. Oeftere Aderlässe, 
Blutegel, mehrmalige Application von Schröpfköpfen über die 
linke abrasirte Hälfte des Kopfes, kalte Aufschläge, Zugpflaster, 
abführende kühle Salze, Calomel bis zur beginnenden Saliva- 
tion u. 8. w. wurden vorzüglich angewandt, Bei Eröffnung 
der Kopfhöhle zeigte sich Folgendes: Nach Entfernung der 
starken Calvaria erschienen die Gefässe der Dura mater stro- 
tzend von Blut; sie selbst war mit der Pia mater an mehreren 
Stellen fest verwachsen, dass sie nicht von ihr getrennt wer- 
den konnte; sämmtliche Gefässe des Gehirns mit Blut überfüllt 
und ein chronischer Entzündungszustand der Gehirnoberfläche 
unverkennbar. Beide Hemisphären waren in weiter Ausdeh- 
nung und bis auf das Corpus callosum so verbunden, dass 
ihre Trennung nur durch Zerreissung gelang. Bei Abtragung 
der linken Hemisphäre fand sich einen halben Zoll unter der 
Oberfläche eine Höhle, die sich nach unten bis dicht auf die 
Decke des Seitenventrikels ausdehnte und in der Breite fast 
die ganze Hemisphäre einnehmend eine Länge von wenigstens 
drei Zoll hatte, Entartete Hirnsubstanz, coagulirtes Blut und 
gelbliches Serum füllten diese Höhle dergestalt aus, dass man 
die Wandungen derselben nicht unterscheiden konnte, da auch 
Streifen von coagulirtem Blute in die benachbarte Substanz ge- 
drungen und bestimmte Grenzen daher nicht zu ziehen waren, 
jedoch war rings um diese grosse Höhle die Gehirnsubstanz 
merklich erweicht und deutete durch ihre grauröthliche Farbe 
auf schleichende Entzündung, Nach aussen lagerten in einzel- 
nen Windungen noch grössere Quantitäten blutigen Extravasats, 
während nach der Mitte dies schon mehr aufgezogen und durch 
gelbliches Serum ersetzt war. — In der Mitte der rechten 
Hemisphäre fand sich ebenfalls eine mit gelbem Serum gefüllte 
Höhle von der Grösse einer Hasejnuss, in deren Umgebung die 
Hirnsubstanz auf ähnliche Weise krankhaft verändert war, 
Beide Ventrikel enthielten nur wenig Wasser und weder io 
ihnen, noch in den übrigen Theilen des Gehirns war eine Abnor- 
mität zu bemerken. Da der Mann früher stets gesund und kräf- 
ig war, 80 ist es. höchst wahrscheinlich, dass sich in Folge 
des Stosses auf den Kopf, welcher mit einem Grade von Ge- 
hirnerschütterung verbunden seyn mochte, ein Congestionszu- 
stand im Gehirn ausbildete und dass dieser sich durch die fort- 
dauernd genossenen geistigen Getränke allmählig in eine schlei- 
chende Entzündung ausbildete, welche Erweichung der Medul- 
larsubstanz veranlasste, In Folge derselben konnten die schon 
stärker angefüllten Gefässe des Gehirns einem kräftigen An- 
drange des Bluts keinen hinreichenden Widerstand enigegen-
	        
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