Full text: (Neueste Folge, Band 8 = 1838, No 9-No 16)

IV. Gynäkologie und Pädiatrik. , 
iO: 
noch kurz vor seiner Ankunft zugegen gewesen seyn Sollte, 
war keine Spur mehr zu entdecken, B. verordnete daher Nichts 
als die Fortsetzung der warmen Ueberschläge. Um 14 Uhr Nachts 
wurde er jedoch wieder gerufen und das U-bel hatte eine ganz 
andere Gestalt angenommen. -Das Kind lag seit einer Stunde 
in einem heftigen Asthma, so dass ihm der Athem plötzlich 
ganz ausblieb und es aussah, ob es ihn willkührlich anzuhal- 
ten sich bestrebte. Das Gesicht hatte den Ausdruck grosser Be- 
ängstigung, war bleich, ins Gräulich-Blaue spielend und kühl; 
eben so die Zunge und Lippes. Der Mund konnte durch Her- 
abdrücken der unteren Kinnlade leicht geöffnet werden, Die 
Händchen waren zwar geschlossen, konnten aber auch leicht 
geöffnet werden und das Kind bewegte sie fortwährend hin 
und her. — Dieser Zustand der gänzlich stockenden Respira- 
tion dauerte etwa eine Zeit von 5, 6 bis 8 Athemzügen, dann 
erfolgte ein tiefes, hörbares Einathmen und 5, 6, ja mehrere, 
schnelle, aber in regelmässigem Rhythmus auf einander fol- 
gende In- und Exspirationen, bis das Stecken von Neuem ein- 
trat. Die einzelnen Athemzüge waren durchaus normal, nur 
schien bei der Exspiration der hängende Gaumen ‚nach hinten 
und oben gedrängt zu werden und dadurch ein, dem Schnar- 
chen ähnliches Geräusch zu entstehen. Hitze wag nirgends vor- 
handen, Puls und Herzschlag regelmässig , aber klein und un- 
terdrückt. Die Augen waren geschlossen, wurden aber von 
Zeit zu Zeit geöffoet und der Blick hatte nichts ungewöhnliches. 
was auf ein Ergriffensein des Gehirns hingedeutet hätte. —. B. 
entwarf folgenden Heilplan, 1). Befreiung der Lungen und des 
rechten Herzens von Blut, Durch die. lange Dauer des Asthma 
und das periodische gänzliche Cessiren der Respiration musste 
eine Störung und Stockung des kleinen Kreislaufs eingetreten 
seyn, es wurden daher zwei Blutegel auf die Brust gesetzt, 
2) Stillung des Krampfes durch Antispasmodica, Wiederholte 
Versuche hatten schon gezeigt, dass das Kind nicht schlucken 
konnte; B. applicirte daher die Mittel durch Lavements und 
wählte die Asa foetida mit Gummi mimosae zu einer halben 
Drachme. Während die Blutegel sogen, ward ein solches Kly- 
stier gegeben, ging aber nach wenigen Augenblicken, mit vie- 
lem Schleim vermischt, wieder ab, wobei das Kind sich beim 
Herausdrängen desselben anzustrengen schien. Ein zweites 
blieb wohl eine halbe Stunde bei dem Kinde, Schon nach eint- 
gen Minuten erfolgte gänzlicher Nachlass des Krampfes, das 
Kind athmete wieder ganz frei und nalım die Brust. Es sah 
sehr bleich und matt aus, hustete aber mehrmals mit Kraft, 
wobei man hören konnte, dass der in der Luftröhre vorhan- 
dene Schleim fortgestossen wurde, auch machte es Versuche, 
das Klystier herauszupressen. Darauf trat Schlaf ein, wäh- 
rend dessen der Athem ganz ruhig war, Die Klysuere mit
	        
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