Full text: (Neueste Folge, Band 8 = 1838, No 9-No 16)

IV. Gynäkologie und Pädiatrik. 183 
man, dass jene Geschwulst den ganzen untern Theil derselben 
ausfüllte, Sie hatte sich so innig mit dem Bauchfell, der 
Blase, der Gebärmutter, dem Mastdarm und beiden Ovarien 
vereinigt, dass es völlig unmöglich war, zu entdecken, an 
welcher Stelle, von welchem Organe sie ihren Ursprung genom- 
men hatte. Theils mittelst der Finger, theils durch das Mes- 
ser liess sie sich nur stückweise entfernen, der nach der linken 
Seite gelagerte Theil hatte die Grösse eines Kindskopfs, Beim 
Durchschneiden zeigte sich in der Mitte eine Hydatide von der 
Grösse einer Faust, die von einer zum Theil weichen, zum 
Theil harten, speckartigen Masse umgeben war, zwischen der 
einige harte, weisse Streifen strahlenförmig verliefen. Aehn- 
liche Geschwülste, wie sich in zahlloser Menge auf der inne- 
ren Fläche des Bauchfells und im Netze befanden, wurden 
auch ‘in faustgrossen Massen längs der Wirbelsäule vorgefunden, 
Dieser Fall zeigt, dass bisweilen nur ein sehr kurzer Zeitraum 
erforderlich ist, unbedeutende Degenerationen zu bilden, einige 
Monate waren hier hinlänglich, um die Krankheit auf die be- 
schriebene hohe Stufe zu bringen, Er zeigt aber auch, wie 
misslich es mit der Diagnose ım Betreff der Ausbreitung und 
Verwachsung solcher in der Unterleibshöhle befindlichen Ge- 
schwülste steht. Die Kranke beschrieb deutlich das Gefühl, 
als wenn die Geschwulst von einer Seite auf die andere hin- 
überfiele, was schon für sich allein für die Beweglichkeit der- 
selben und somit für die Möglichkeit, sie zu exstirpiren, sprach 
und doch war die Exstirpation unmöglich. — Doch nun zum 
dritten Falle, in welchem D. den Bauchschnitt vollzog und den 
er nur deshalb miwheilt, weil er glaubt, dass dies Manchen 
nützen könne, Ein 23jähriges Dienstmädchen kam am 12. No- 
vember 1835 wegen eines Abcesses in der Nähe der rechten 
Kniescheibe ins Krankenhaus. Nach 3 Wochen, noch ehe 
jener Abscess geheilt war, stellte sich ein kaltes Fieber ein, 
das den Tertiantypus hatıe und sehr hartnäckig war, indem es, 
nach langer Dauer und nachdem Chininum sulphur, mit Opium 
sich unwirksam bewiesen, der Tinct, Chinzodini in starken 
Gaben wich. Schon vor Ausbleiben des Fiebers kam, ohne zu 
ermittelnde Ursache, eine Retentio urinae dazu, die so bedeu- 
tend wurde, dass der Catheter oft angewendet werden musste, 
Durch denselben wurde bald klarer, wasserheiler Harn, bald 
Urin mit dickem, schleinrigem, eiterähnlichem Bodensatze ent- 
leert., Wenige Tage nach Beseitigung des Fiebers fing Pat. an, 
über Schmerzen im Unterleibe und zwar in der Unterbauchge- 
gend zu klagen. — Diese Gegend schwoll allmählig an, wurde 
dick, und es schien sich hier eine Geschwulst zu bilden, die 
allmählig vom Becken aufwärts stieg, der Nabel verstrich erst, 
dann ragte er thurmartig hervor, su dass der Unterleib, wenn 
man ihn entblösst sah , ganz dem einer Schwangern glich. Da-
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.