Full text: (Neueste Folge, Band 8 = 1838, No 9-No 16)

IV. Gynäkologie und Pädiatrik. 181] 
auf schwächliche Frau wurde wegen Geschwulst in der Unter- 
leibshöhle am 26. Sept. 1833. in das Krankenhaus gebracht. 
Im 17. Jahre trat die Menstruation ein, die regelmässig wie- 
derkehrte. Im 24, Jahre verheirathete sie sich, wurde aber 
niemals schwanger, Mehrmals wurde sie von ihrem Manne 
gemisshandelt, besonders stiess und trat derselbe sie öfters hef- 
tig gegen den Unterleib. Nach einer solchen Misshandlung em- 
pfand sie links vom Nabel nach der Leistengegend zu ziehende, 
reissende Schmerzen, die Anfangs nur periodisch auftraten, spä- 
ter aber anhaltend wurden und besunders beim Stehen und Ge- 
hen sehr zunahmen, Ende Juli bildete sich an der oben ge« 
nannten Stelle eine Geschwulst aus, die schnell grösser wurde 
und die heftigsten Schmerzen verursachte. Die Untersuchung 
ergab Folgendes: Der Unterleib der Pat. hatte die Gestalt 
und den Umfang wie bei einer Fran im 6. Monate der Schwan- 
gerschaft, Man fühlte in demselben deutlich eine Geschwulst, 
die sich von der Linken zur Rechten ausdelhnte; sie entsprang 
in der linken Regio inguinalis, stieg von da aufwärts,‘ verlief 
in gleicher Richtung mit dem Nabel nach rechts und erstreckte 
sich hier nicht ganz bis in die Leistengegend. Auf der linken 
Seite ragte die Geschwulst,‘ deren Berührung die heftigsten 
Schmerzen verursachte, am meisten hervor; sie hatte eine ku- 
gelförmige Gestalt, während sie sich nach ‘rechts hin gliederför- 
mig anfühlen liess. Die Kranke, die immer etwas nach der 
linken Seite im Bette lag und behauptete, es sei ihr, als falle 
in ihrem Leibe. etwas von links nach rechts,-wenn sie sich ein 
Mal auf die rechte Seite lege, wurde Tag und Nacht von den 
fürchterlichsten Schmerzen, vorzüglich in der Hnken Seite, ge- 
quält. Der linke Schenkel, so wie die grossen Schamlelzen, 
waren bedeutend ödematös angeschwollen. Die Erploratio 
per vaginam , wobei sich alle Theile heiss und ‘trocken anfühl- 
ten, ergab, dass die Gebärmutter sehr tief stand, dass die Por- 
110 vaginalis etwas von der Führungslinie abweichend nach 
rechts gerichtet war und dass das Or/fictum uleri eine deutliche 
Querspalte hatte, Durch das Scheidengewölbe konnte man von 
jener Geschwulst in der Unterleibshöhle nichts durchfühlen; 
sie bot sich aber, obschon undeutlich, dem untersuchenden Fin- 
ger im Mastdarme dar, Urin und Stuhlausleerungen waren schr 
erschwert; .die Menstruation hatte sich zum letzten Male, wenn 
auch nur schwach, vor 3 Wochen eingestellt. Pat. war sehr 
abzemagert, die Temperatur der Haut sehr erhöht. Der Durst 
heftix,, die Zunge trocken, braun belegt, der Puls frequent und 
härtlich. In der Meinung, dass Degeneration des linken Kier- 
stocks und entzündliche Reizung dieses Theiles sowohl, als der 
benachbarten Gebilde statt finde , verordnete BP. eine Venäsection 
von 10 Unzen, 32 Blategel auf den Unterleib, warme Um- 
schläöre aus einem Brei ver "7 u semins Lnt. Kerb. eiktate
	        
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