Full text: (Neueste Folge, Band 8 = 1838, No 9-No 16)

6 IV. Gynäkologie und Pädiatrik. 
Verschliessung der. Mundhöhle fand nur periodisch statt. Drei 
Blutegel wurden auf den Unterleib verordnet und nach erfolg- 
ter Blutentleerung das Auflegen warmer Umschläge empfohlen. 
Ionerlich Calomel zu 4 Gran und zur Einreibung in den Bauch 
die graue Salbe. Zugleich wurden Kalibäder in Anwendung 
gebracht. Gegen Abend zeigte das Kind eine sehr beschleu- 
nigte Respiration, wobei die Bauchmuskeln vorzüglich sehr mit- 
wirkten, zugleich wurde es von fortwährenden tetanischen 
Krämpfen befallen, die selbst bei leiser Berührung des Körpers 
sogleich auftraten.‘ Spät am Abend erfolgte der Tod. Man 
fand bei der am 39. September vorgenommenen Obduction 
des Leichnams ebenfalls die eigenthümliche Entzündung und 
Anschweilung der Nabelarterien., Die Anschwellung war in 
diesem Falle nur noch bedeutender, als in den beiden vorigen; 
sie erstreckte sich nämlich von dem Fundus der Blase bis zu 
dem runden Mutterbande und neben den Anschwellungen, auf 
ihrer äussern Seite, lag auf dem Peritonäum ein kleines, festes, 
faserstofliges Exsudat. Der Durchschnitt einer der Anschwel- 
lungen bot die nämlichen Resultate dar, wie im ersten Falle, 
und es waren auch hier die Nabelarterien vom Nabel ‚aus bis 
zu der Anschwellung der Sonde zugängig. Die Nabelvene war 
normal. Das Bauchfell über und neben den Arterien, so wie 
die hintere Wand der Blase waren lebhaft entzündet, Das 
Netz, so wie der Ueberzug der dünnen Gedärme liessen eben- 
falls die Anwesenheit einer Entzündung erkennen und das Pe- 
ritonäum konnte man in langen Streifen leicht von denselben 
abziehen. Das Mesenterium war gleichfalls entzündet, Em 
Paar Stellen des Dünndarms zeigten eine grünschwarze Farbe, 
vermuthlich als Einwirkung der Gallenblase auf das erweichte 
Bauchfell anzusehen. ‚Die weitere Untersuchung des Cadavers 
liess nirgendwo. mehr etwas Krankhaftes erkennen. — Diese 
3 kurz hinter einander folgenden und sehr treu beobachteten 
Fälle veranlassen B. zu der Frage, ob der Trismus der Neu- 
gebornen wohl nicht immer oder wenigstens in den meisten 
Fällen seine nächste Ursache in der Entzündung der Nabelarte- 
rien finden möchte, Wenn man bemerken willy dass die Ent- 
zündung der Gelässe nicht in der Nähe des Kintrittes derselben 
in den Nabelring , sondern an einer weit tieferen Stelle statt 
fand, so wie ferner, dass der Nabel selbst in sämmtlichen Fäl- 
len frei von Entzüdung und Verschwärung war, so giebt dies 
der Muthmassung Raum, dass man in ähnlichen Fällen und bei 
der bisherigen Sectionsweise gar leicht den eigentlichen Sitz d«8 
Uebels übersehen konnte, und dass vielleicht immer, oder we- 
nigstens in den meisten Fällen diese Arterienentzündung VOor- 
handen ist. Zunächst ist daher zu wünschen , dass alle Aerzte, 
welchen Fälle dieser Art vorkommen, bei der Section beson- 
ders darauf Rücksicht nellımen, die Nabelarterien genau zu wn-
	        
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