Full text: (Neueste Folge, Band 8 = 1838, No 9-No 16)

116 IV, Gynäkologie und Pädiatrik. 
lung des Kopfes und selbst des übrigen Körpers, nach über- 
wundenem Widerstande am Eingange, auch im Ausgange fasst 
dieselben Hindernisse, Die Operation dauerte daher länger als 
21 Stunde; dessenungeachtet ertrug die Wöchnerin dieselbe, 
vielleicht selbst nicht unbedeutende Verletzungen der Scheide 
durch die losen Knochenränder, ohne dass das Wochenbett aus- 
ser durch eine geringe Gefäss-Irritation gestört worden wäre. 
Bald erlangte die Wöchnerin ihre volle Gesundheit wieder und 
18 Monate darauf nach einer glücklich verlaufenen Schwanger- 
schaft musste sie zum zweiten Male, nachdem Hebel und Zan- 
ge vergeblich versucht worden waren, mittelst der Perforation 
von einem ausgetragenen Kinde entbunden werden; Die Ein- 
wirkung durch die Operation war diesmal weniger beschwer- 
lich; das Wochenbett verlief regelmässig und da G, der Frau 
erklärt hatte, dass sie nie auf andere Weise als durch eine 
künstlich erregte Frühgeburt oder durch den Kaiserschnitt von 
einem lebenden Kinde werde entbunden werden können, und 
dass selbst eine den früheren Entbindungen ähnliche das nächste 
Mal ihrem Leben getährlich werden müsse, so suchte sie in 
ihrer dritten Schwangerschaft zeitig bei G. Hülfe, Dieser ent- 
schlossen, sie nur durch eine künstliche Frühgeburt zu entbin- 
den, rieth ihr vom siebenten Monate an auflösende, abfüh- 
rende Mittel und wenig nährende Kost zu sich zu nehmen, um 
dadurch die Ausbildung des Kindes möglichst zu beschränken 
und nach Ablauf der 37. Woche suchte er am 21. Sept. 1836 
die Vorkehrungen zur Hervorrufung der Wehen damit zu be- 
ginnen, dass er alle 2 Stunden 5 Gran Secale cornutum neh- 
men, den Bauch mit der flachen Hand reiben und mehrere 
reizende Klystiere beibringen liess. Bei dieser Behandlung 
glaubte die Schwangere am folgenden Tage ein den Geburts- 
schmerzen ähnliches Ziehen im Uterus wahrzunehmen , welches 
G. veranlasste, wiederholt zu untersuchen, um die Stellung des 
Kindes und die Veränderungen am Muttermunde zu erforschen; 
allein wegen des stark überhängenden Bauches fand er den Mut- 
termurid so hoch am Vorberge stehend, dass er ihn nur mit vier 
Fingern etwas erreichen, aber keine Spur eines Kindestheiles 
wahrnehmen konnte. Nicht ohne Beschwerde bewirkte G. mit 
dem männlichen Catheter die Eröffnung der Blase, liess durch 
denselben etwas über ein Pfund Fruchtwasser ablaufen und em- 
pfahl eine Seitenlage. Schon nach einer Stunde, während 
noch viel Fruchtwasser abfloss, stellte sich ziemlich bedeuten- 
der Frost mit gelind ziehenden Schmerzen im Kreuze ein, wel- 
che sich bis gegen Abend unter fortdauernder Alteration zu 
kräftigen Geburtswehen ausgebildet und den‘ Muttermund zur 
Grösse von drei Querliogern erweitert hatten. Da sich noch 
immer kein Kindstheil tiefer in das Becken herabsenken wollte 
und die Besorgniss wegen widernatürlicher Lage immer mehr
	        
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