Full text: (Neueste Folge, Band 8 = 1838, No 9-No 16)

102 Ill. Chirurgie und Ophthalmologie. 
weil er in der Nacht schlimme Zufälle bekommen hatte. M., 
fand ihn mit bedeutender Beklemmung auf der rechten Brust- 
seite. Pat. erzählte, sein Befinden sei in den Tagen vorher 
ganz erwünscht gewesen; nachdem in der letzten Nacht gegen 
Morgen, wie gewöhnlich , der Husten etwas stärker gekommen 
sei, habe er mit einem Male eine Beklemmung auf der rech- 
ten Brust gespürt, die zuerst nicht. bedeutend gewesen sei, 
aber immer zunehme. Der Husten sei trockener geworden, so 
dass er nur wenig nach langer Anstrengung, doch ohne Erleich- 
terung, auswerfe. — Schmerzen waren nicht vorhanden, jedoch 
war die Temperatur der Haut erhöht, das Gesicht etwas auf- 
getrieben und geröthet, der Puls schneller und voller, als frü- 
her. Da die Auseultation und Percussion weder die Zeichen 
einer Pneumonie, noch die einer Pleuritis ergaben, so glaubte 
M., es finde wieder eine vermehrte Congestion nach den Lungen 
statt und verordnete daher eine Mirtura resolvens nebst Senf- 
pflaster auf die Waden, und, wenn dies nicht fruchten sollte, 
ein reizendes Fussbad. Beim Besuche am Abend fand M. den 
Kranken schlechter, die Mittel hatten gar keine Erleichterung 
geschafft, die Beklemmung war bedeutend gestiegen, so dass 
Pat. beständig aufrecht sitzen musste. Das Fieber war heftig, 
der Puls noch voller, als am Morgen; es hatten sich flüchtige 
Stiche in der Seite eingestellt; der Husten war noch immer trocken 
und höchst quälend. Das plötzliche Auftreten und die Heftigkeit 
der Erscheinungen liessen M, jetzt an einen Erguss in der Brust- 
höhle und zwar als Aussschwitzung der serösen Haut denken; 
jedoch sprach dagegen der Mangel an vorausgehenden pleuriti- 
schen Erscheinungen, so wie auch der Ton bei der Percussion, 
welcher auf.der ganzen Seite nicht matter war, als .auf der 
anderen; wenigstens konnte nach letzterem die Menge des Er- 
gossenen nur höchst unbedeutend seyn. Auf einen Aderlass 
von 8 Unzen trat augenblicklich grosse Erleichterung ein; die 
Stiche verschwanden, der Husten wurde etwas loser und die 
Beklemmung liess insoweit nach, dass Pat. sich niederlegen 
konnte und nach einiger Zeit einschlief, Dies dauerte indess 
nur kurze Zeit, in der Mitte der Nacht wurden die Beschwer- 
den wieder eben so heftig, wie vorher. Am andern Tage tra- 
ten die heftigsten Angstzufälle mehrere Male ein, welche nur 
durch die kräftigsten Hautreize etwas gemildert wurden. Ge- 
gen Abend wurde auch der Ton beim Percutiren am unteren 
Theile der rechten Brusthälfte matter und constatirte jetzt einen 
Erguss in der Brusthöhle. Noch immer glaubte M. durch kräf- 
tige äussere und innere ableitende Mittel Besserung bewirken 
zu können, doch war Alles ohne Erfolg. Nach zwei Tagen 
war der matte Ton über die Hälfte der rechten Brustseite. ver- 
breitet und diese ganze Partie ziemlich hervorgetrieben, so dass 
man es bei Entblössung der Brust sogleich erkannte, Die be-
	        
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