Full text: (Neueste Folge, Band 8 = 1838, No 9-No 16)

6 II. Materia medica und Toxikologie. 
sich eine ziemlich bedeutende Menge seröser Flüssigkeit vor; 
in den Gehirnhäuten war ein grösserer Blutreichthum, als in 
dem Gehirn selbst sichtbar, Die Oeffnung der Brust- 
höhle zeigte, ausser dem grossen, aber sehr welken und blut- 
leeren Herzen, keine besondere Abnormität, Oeffnung der 
Bauchhöhle, Der Magen war auf seiner äussern Fläche 
an einigen Stellen braun, an andern lebhaft geröthet, beson- 
ders. nach der Cardia zu: die Schleimhaut desselben war eben- 
falls sehr geröthet, an einigen Stellen dunkelbraun , am Pylo- 
rus eine ganz schwarze Stelle von der Grösse eines preussischen 
Thalers, Dieselbe Beschaffenheit, nur in einem weniger hohen 
Grade zeigte das Duodenum; die übrigen Därme waren nur hier 
und da leicht geröthet. Die Harnblase zeigje keine krankhafte 
Veränderung. Die chemische Untersuchung des Magen- und 
Dünndarminhaltes muss gänzlich negativ ausgefallen seyn; we- 
nigstens findet sich in den Acten darüber etwas nicht vor, Hia- 
sichtlich der Umstände, welche dem Tode des G. vorausgingen, 
ist‘ Folgendes zu erwähnen, Nachdem die Ehefrau des Ver- 
storbenen, welcher mehrere Monate vor seinem Tode in Wahn- 
sinn verfallen war, zwei Aerzte eine Zeit lang, jedoch ohne 
allen Erfolg angenommen hatte, wurde ihr gerathen, die Hülfe 
der in M. bei Pl. lebenden Witwe G. in Anspruch zu nehmen, 
welche schon mehrere in Geisteskrankheiten verfallene Perso- 
nen wieder hergestellt habe. Das erhaltene Mittel bestand in 
einem Pulver, welches in einer Viertelkanne Malagawein dem 
Kranken mit der besonderen Vorschrift gereicht wurde, dass 
et binnen 24 Stunden weder etwas essen, noch trinken solle. 
14 Stunde nach der Darreichung des Pulvers erfolgte Erbre- 
chen, Besondere Wirkungen traten aber in Beziehung auf den 
Zustand des Kranken nicht ein, mit Ausnahme einer bemerkens- 
werthen Erscheinung, Der Kranke nämlich, welcher bis dahin 
nur eine äusserst geringe Menge von Nahrungsmitteln täglich zu 
sich genommen hatte, zeigte nach der überstandenen Cur einen 
ausserordentlich starken Appetit, der sich auch bis zu seinem 
Tode immer gleich blieb, ‚Das zweite Pulver *) wurde drei 
Sturiden nach dem Mittagsessen gereicht, und. zwar ebenfalls 
in dewelben Menge Malagawein, wie das erste. Auch dies 
Mal erfolgte Erbrechen, jedoch erst nach dem Ablauf von 24 
Stunde; doch gingen hefüge Leibschmerzen voraus. Obwohl 
G. über brennenden Durst bald nach dem Genusse des Pulvers 
klagte und zu trinken verlangte, so wurde ihm doch auf aus- 
‘) Leider findet sich in den Acten keine Angabe: wie gross der Zwi- 
schenranm gewesen ist zwischen dem Gebrauch des ersten und dem des 
zweiten Pulvers; dennoch lässt sich aus den übrigen Anssagen schlies- 
sen, dass mehr als 14 Tage nicht verflossen seyn konnten.
	        
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