Full text: (Neueste Folge, Band 7 = 1838, No 1-No 8)

172 X, Pathologie, Therapie und medicinische Klinik. 
auf die scarificirten Wunden, nach Art der Urban’schen Me- 
thode, nützen könnten, ist eine Frage, die nur durch weitere 
Beobachtungen gelöst werden kann, Die Gefahr bei einer ver« 
gifteten Wunde ist immer grösser, je länger dem Gifte Zeit 
zur Resorption gegeben ist, d. h. je später die passende Hülfe 
angewendet wird. [Med, Corresp.-Bl. d. würt. ärzil. Vereins. 
Bd. FIT Nr. 4.] 
219. Aphorismen über die Behandlung der 
Hämoptoe inder Phthisistuberculosa; von Dr. Nız- 
MANN in Magdeburg. Die Lungenblutungen werden mit Recht 
von allen erfahrenen Aerzten gefürchtet, Fast allgemein wen- 
det man gegen sie Aderlässe an und glaubt durch dieselben die 
Schwindsucht zu verhüten, Ungeachtet dass die pathologische 
Anatomie nachweist, dass unter zehn Fällen acht Kranke, die 
von Hämoptoe befallen werden, an Tuberkeln leiden, so ist man 
doch in der Behandlung den ältern Aerzten gefolgt. Die Ader- 
lässe werden fast allgemein empfohlen. Dass sie aber wirk- 
lich nicht das leisten, was man von ihnen erwartet , muss eine 
unbefangene Erfahrung leider eingestehn. Wo das Lungenge- 
webe noch nicht leidet, wo die Blutungen vicarirend erschei- 
hen, wo sie statt Hämorrhoiden, unterdrücktem Nasenbluten, 
stets ausbleibender Menstruation auftreten, wo sie durch äussere 
Veranlassung entstanden sind, da vermag das Aderlassen viel 
zu leisten, in der Blutung in Folge von Tuberkeln sollte man 
aber unbedingt die Anzeigen zum Blutlassen sehr beschränken. 
Die Ansicht, dass Tuberkeln durch einen entzündlichen Process 
unterhalten werden, hat offenbar viel dazu beigetragen, dem 
Aderlass das Wort zu reden. Oertliche Blutentziehungen wür«- 
den in diesem Falle aber bei weitem mehr leisten, da sie nicht 
so schwächen als allgemeine Aderlässe, da sie dem Organe 
viel näher das Blut entziehen, da es noch ausserdem durch 
Sectionen erwiesen ist, dass der durch tuberculöse Massen ge- 
hinderte Blutumlauf durch Ausdehnung der Gefüsse der Pleura 
ausgeglichen wird, Und wirklich lehrt die Erfahrung, dass 
selbst sehr bedeutende Lungenblutungen ohne Aderlässe besei- 
ligt werden, Entleeren sich einzelne Tuberkein, entstehen 
grosse Höhlen, so kann nur durch einen sich bildenden Blut- 
peropE die Blutung gestillt werden. Nach dem Aderlasse wird 
mäufig die Blutung noch bedeutender, Bei Blutungen anderer 
Organe wenden wir fast nie die Aderlässe an und beseitigen 
die Blutung meist glücklich. Wir stimmen nur da für Blut- 
entziehungen, wo innerer Erguss zu befürchten steht, der für 
das Leben Gefahr bringt, wo das ausgetretene Blut nicht ent- 
leert werden kann, wie dies bei Gehirnblutungen der Fall ist. 
Bei Nierenblutungen, bei Blutungen des Uterus, des Magens 
und der Gedärme wird selten ein rationeller Arzt die Blutung 
durch Aderlass zu stillen suchen. Nur die Lungen als ein Or-
	        
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