Full text: (Neueste Folge, Band 7 = 1838, No 1-No 8)

368 ul, Chirurgie und Ophthalmologie, 
verletzten Schenkel waren bei diesem Kranken leichter, er 
selbst konnte den Fuss etwas heben und zum gesunden hinzie- 
hen, Das künstliche Bewegen machte ihm Schmerzen, be- 
sonders in der Gegend der Scham, doch fand H. während des 
Bewegens keine Veränderung in der harten Masse über dem 
Sitzbeinhöcker und in der Schamgegend. Auch hier liess sich 
die Länge nicht beurtheilen, weil der verletzte Fuss im Knie- 
gelenke etwas gebogen war und sich nicht strecken liess, 
Die Versuche, den Kranken stehen und gehen zu lassen, wa- 
ren gar nicht möglich wegen der gleichzeitigen Verletzung des 
rechten Vorderfusses. Da die Verrenkung ganz deutlich war, 
schritt man sogleich zur Einrichtung, welche Herzig dem Verf. 
überliess., Pat. wurde vorbereitet, wie der Kranke im fünf- 
ten Falle und dann stellte sich H, an die linke Seite desselben, 
legte die rechte Hand an die Hüfte, ergriff den Gurt um den 
Oberschenkel, spannte ihn etwas an und liess nun die Gehül- 
fen mit der Ausdehnumg anfangen, während er gleichzeitig mit 
dem Gurte den Schenkel nach auswärts zog, wobei er sich mit 
der andern Hand fest an die Hüfte stemmte, Nachdem schon eine 
bedeutende Ausdehnung geschehen war, gerieth H. in Zweifel, ob 
der Schenkelkopf schon von der Stelle weiche. Herzig unter- 
suchte die Stelle am Schambeine, wo man den Kopf vermuthete, 
doch getraute er sich nicht zu bestimmen, ob hier eine Orts- 
veränderung des Knochens vor sich gegangen. Man kam nun 
darin überein, noch ein Mal eine Ausdehnung machen zu las- 
sen, mit der besondern Bestimmung, dass die Gehülfen den 
ersten Zug mehr nach auswärts, in der Richtung, in der der 
Schenkel abstand, machen und dass sie sich dann nach ein- 
wärts wenden sollten, in welchem Augenblicke H. den Obers 
schenkel mit dem Gurte auswärts zu ziehen beschloss. Dies 
wurde ausgeführt: Alle liessen dann nach, waren aber ganz 
ungewiss, ob die Einrichtung gelungen sei, weil sie kein Ge“ 
räusch hörten, Der Schenkel wurde nun von den Gehülfen ganz 
losgelassen und neben den gesunden gelegt, wobei sich auffal- 
lend zeigte, dass er eine ganz andere Gestalt habe. Er war 
jetzt gestreckt, lag in normaler Richtung nahe am gesunden, 
war diesem an Länge gleich und liess sich leicht, ohne beson- 
dere Schmerzempfindung, bewegen, besonders stark beugen. 
Der Hinterbacken war nun voll, den grossen Trochanter fühlte 
man an der normalen Stelle und oberhalb des Sitzbeinhöckers 
konnte man tief in die weichen Theile hineindrücken, End 
lich machte Pat. selbst einige Bewegungsversuche mit dem 
Schenkel, die ziemlich leicht geschahen. Jetzt erklärte man 
den Schenkel für eingerichtet und brachte den Kranken wieder 
auf sein früheres Lager, Bis er sich ganz erholte, hatte er 
längere Zeit zu thun. Der Brustaffection wegen musste man 
zur Ader lassen, worauf der rechte Vorderfuss stark aufschwoll
	        
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