Full text: (Neueste Folge, Band 7 = 1838, No 1-No 8)

366 IH. Chirurgie und Ophthalmologie, 
50. Jahre beobachtet, Auffallend war es, dass die Tonsillen 
durchaus keinen, oder nur sehr geringen Antheil am Uebel nah- 
men und nie Sitz eines Abscesses wurden. Ebenso auffallend 
war es, dass es in einigen Fällen an der entzündeten Uvula 
zur Abscessbildung kam. Diese Kranken litten vorzugsweise 
und immer zeigten sich hier gleichzeitig Symptome eines ent» 
zündlichen Leidens des Larynx und selbst der Luftröhre. Zu- 
weilen bildete sich der Abscess. auffallend schnell, nicht selten 
aber auch erst nach 7tägiger Dauer der Krankheit. Im ersten 
Falle trat die Halsentzüudung gleich von vorne herein heftig 
auf und war von Erstickungszufällen begleitet, Namentlich tra= 
ien diese mitten in der Nacht ein, wo die Kranken plötzlich 
unter solchen Symptomen erwachten und zu ersticken glaubten. 
Uvula und Gaumensegel waren dann so geschwollen, dass sie 
die Zunge. berührten und das Athmen durch den Muud- fast 
unmöglich machten, Wie Dieffenbach, so beobachtete auch 
H., dass der im weichen Gaumen angesammelte Eiter sich nicht 
leicht einen Weg bahnt, daher er es auch für gerathen hielt, 
ihm möglichst bald mit dem Messer einen Ausgang zu verschaf- 
fen, was immer Erleichterung zur Folge hatte. H, selbst hat 
seit 1830 dreimal an dieser Entzündung des weichen Gaumens 
gelitten und jedes Mal die Abscessbildung erfahren. Das erste 
Mal öffnete sich der Abscess von selbst, das zweite Mal, unge- 
fähr 3 Monate darauf, öffnete ihn ein Freund mit umwickeltem 
Staarmesser, das dritte Mal, im Herbste 1835, machte sich der 
Verf. selbst ziemlich früh einen tiefen Einschnitt mit der Ader- 
lasslancette, worauf Eiter mit Blut abfloss und dann eine ziem» 
lich reiche Blutung folgte, gegen die weiter nichts gethan 
wurde, Jolly tind Dieffenbach rathen einen solchen Ab- 
scess möglichst früh zu öffnen und gern stimmt ihnen H., bei. 
Er wartete nie so lange, bis der entzündete Theil eine weisse 
Spitze oder Fläche zeigte, sondern suchte ihn mit dem Finger 
zu erreichen und sich zu überzeugen, ob Kiterung da sei, was 
hier leichter ist, als bei Angina tonsillaris wo die Kiefer ein- 
ander 80 nahe stehen, dass man selten so viel Platz hat, mit 
dem Finger zu den Mandelo zu kommen. Nach Eröffeung des 
Abscesses hat H. immer; selbst bei ganz passivem Verfahren, 
schnelle Heilung und nie Nachtheile gesehen, wie z, B. Dief- 
Fenbach, der nach einer Lancettenstichwunde des Gaumense- 
gels lebensgefährliche Blutung beobachtete. Roche empfiehlt 
mittelst Trichters Dämpfe von einer Abkochung erweichender 
Kräuter an das entzündete Gaumensegel zu leiten, um die spon- 
tane Eröffnung des Abscesses rascher und sicherer zu erreichen. 
Der Verf. sah nie besonders gute Wirkungen. davon, wohl 
aber erfuhr er, dass die Erstickungszufälle dadurch gesteigert 
wurden. Sobald er eine Eiteransammlung vermuthet, schreitet 
er zur Eröffoung und nimmt dazu entweder die Lanzette oder
	        
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