Full text: (Neueste Folge, Band 7 = 1838, No 1-No 8)

356 Il. Materia medica und Toxikologie, 
Eltern entsprachen diesem Wunsche nicht. Im Herbste dieses 
Jahres verfiel der Knabe von Neuem in die Krankheit und hit 
bis zum Mai 1835 mit abwechselnder Heftigkeit an derselben, 
obgleich Alles angewandt wurde, was zur Erleichterung des 
Kranken beitragen konnte. Auch der Gebrauch des Magnets 
und der Electricität, letztere in der Form des electrischen Ba- 
des, brachte nur momentane Erleichterung des Kranken hervor. 
— Sehr leidend wurde Pat. Anfangs Mai 18353 zum zweiten 
Male nach Warmbrunn gebracht; kam aber nach dreiwöchent- 
lichem Gebrauche ohne Besserung zurück. In dieser Lage blieb 
nur die Anwendung des frischen kalten Wassers, in Form der 
Flussbäder, und der kalten Waschungen des Rückgraths, Unter- 
leibs und der Extremitäten übrig. Da der Knabe und die Eltern 
diese Curmethode gleichmässig fürchteten, so liess O, an einem 
sehr warmen Tage des Julis den Kranken plötzlich in den Bra- 
hestrom tauchen und von einem starken Mann 10 Minuten lang 
bis zum Kinne uoter dem Wasserspiegel halten. Da die von 
den Eltern gefürchtete Apoplexie diesem Verfahren nicht folgte, 
da die wohlthätigen Wirkungen dieser ersten Immersion sich 
in der Mässignng der Zufälle und in der allgemeinen Beruhi- 
gurg des. Pat. bald zeigten, so wurde derselbe täglich ein bis 
zwei Mal, jedes Mal 8—10 Minuten lang, im Strome gebadet; 
Rückgrath, Unterleib und Extremitäten wurden ausserdem täg- 
lich zwei Mal mit ‚kaltem Wasser, ersterer jeden Morgen auch 
mit einer Mischung von Tinctura aromatica 3]. und Aqua 
Coloniensis 3vj. gewaschen, und eine leichte und nahrhafte 
Diät, bei welcher Pat, zum gewöhnlichen Getränk nur frisch 
zeschöpftes Wasser erhielt, gereicht. ‘Ausserdem erhielt der 
Kranke keine Arzneien, Bei diesem Verfahren war Pat. nach 
sechs Wochen völlig genesen. Der Knabe, welcher auch in 
den Sommern von 1836 und 37 die Flussbäder gebrauchte, ist 
seitdem ganz gesund geblieben und hat an Körperfülle, organi- 
scher Ausbildung und an Kräften sehr gewonnen, Dieser Fall 
bestätigt den ausserordentlichen Nutzen und die Heilkraft des 
kalten Wassers in krampfhaften Krankheiten, auch bei Läh- 
mungen der Extremitäten hat O. ausserordentliche Erfolge von 
diesem Heilmittel gesehen. [Med, Zeit, v. Vereine f,. Heilk. 
in Pr. 1838. Nr. 8.] 
168. Mittel gegen Hydrophobie; von A*. Der 
Verf. behauptet nicht, dass das Mittel ein sicheres Antidot sei, 
sondern dass bei 6—8 von wuthkranken Thieren Gebissenen, 
die dasselbe nahmen, die Krankheit nicht ausbrach. Sein Leh- 
rer, obgleich Sceptiker, hielt es für specifisch und lernte es 
yon einem Quacksalber zu Norristown, durch den es sehr be- 
rühmt wurde. Der Verf, weiss, dass viele Thiere mit Unrecht 
für wuthkrank gelten und dass viele von Wuthkranken Gebis- 
sene nicht erkranken: gleichwohl würden dem Mittel nicht seit
	        
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