Full text: (Neueste Folge, Band 7 = 1838, No 1-No 8)

3:16 II. Materia medica und Toxikologie, 
von Vipernbiss und fand sich theils durch die zwecklose, oft 
schmerzhafıe und sogar gefahrvolle Behandlung solcher Verwun- 
deten vom gemeinen Volke, theils durch den Bericht des Bischofs 
Sintich zu Veglia über die heilsamen Erfolge des ‚Aster mon- 
Fanıus gegen jenes Uebel veranlasst, mit dem Extract jener 
Pflanze Versuche anzustellen, In Dalmatien ist diese sehr ge- 
mein und wird von den Landleuten gegen Kolik, Flatulenz, 
Verdauungsbeschwerden, Kopfweh u. s. w. häufiz ohne Be- 
rücksichtigung der Gabe gebraucht. GG. hat dieselbe bei der 
angegebenen Verwundung stets vortrefflich gefunden und sich 
genügend überzeugt, dass das KExtr. des Aster montanus ein 
schnell wirkendes, alle bisher gerühmten Heilmittel weit über- 
treffendes, sicheres Gegengift gegen Vipernbiss sei, Doch be- 
merkt er hierbei, dass der Aster montanus Dalmatiens mit dem 
in Italien einheimischen nicht verwechselt werden dürfe, der 
erstere sei die Znula squarrosa, letzterer das Buphthalmum salici- 
folium der Botaniker. Die Versuche mit dem Extract des letz- 
tern hätten. mithin nicht günstig ausfallen können und man habe 
daher, beide verwechselnd, dem erstern mit Unrecht seine wohl- 
thätige Wirkung absprechen wollen. Von 7 von G. mitgetheil- 
ten Fällen, welche den günstigsten Erfolg hatten, mag hier 
nur Einer Platz finden. Den 17. Juni 1830 wurde ein 20jäh- 
riger Junger Mann zwischen dem Ring- und kleinen Finger der 
linken Hand von einer Viper verwundet, Augenblicktich fühlte 
er einen lebhaften Schmerz an der verwundeten Stelle, welcher 
bald längs dem ganzen Arme hin und zur Achsel, dem Rücken 
und Knie der leidenden Seite sich verbreitete und sich mit dem 
Gefühle allgemeiner Entkräftung verband, Hierauf folgte lästis 
ges Brennen im Arme, in der Brust und dem Unterleibe, Fie- 
ber, allgemeines convulsivisches Zittern und Neigung zum Er- 
brechen, Drei Stunden nach der Verwundung wurde er ins 
Hospital gebracht, Den ganzen Arm und die übrigen mitergrif- 
fenen Theil fand man sehr anfgetrieben und schmerzhaft, rosen- 
roth gefleckt;z diese Röthe verlor sich bald, die Haut wurde 
livid und mit blauschwärzlichen Blasen überzogen; das Ge- 
sicht des Kranken war leichenblass, die Extremitäten kalt und 
zitternd, der Puls klein, anhaltende Neigung zum Erbrechen und 
wöllige Betäubung zugegen. GG. reichte sogleich eine Drachme 
ıles Extracts vom Aster montanus in einer genügenden Menge 
einfachen Wassers aufgelöst, liess die verwundete Stelle mit 
demselben Extract reiben und dieses ausserdem, auf Leinwand 
gestrichen, über die Wunde legen, Dieses Verfahren wurde 
arn ersten Tage alle 2 Stunden wiederholt. Schon nach der 
ersten Gabe schwand die Neigung zum Erbrechen, Zittern und 
K.ilte: der Extremitäten wurden gemindert, ‘Nach der zweiten 
verloren sich auch die letzteren Zufälle, die Betäubung min- 
derte sich, der Puls wurde gehoben, die natürliche Gesichts-
	        
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