Full text: (Neueste Folge, Band 7 = 1838, No 1-No 8)

314 1. Pathologie, Therapie und medicinische Klinik. 
Dickdarm unterhalb der Strictur verengt. Daraus, dass nicht 
nur der ganze Dünndarm, sondern auch der Magen mit unver- 
kennbarer Kothmaterie angefüllt war, bei unverletzter Bau- 
hin’scher Klappe, erhellt abermals die Möglichkeit des Koth- 
erbrechens, die früher so oft geläugnet worden war und das 
bei längerer Dauer des Lebens gewiss eingetreten wäre, Was 
endlich die Anwendung des Merc, vivus anlangt, so war seine 
Anzeige, wie immer, so auch hier, eine zweifelhafte. Die 
nach Allem zu vermuthende. mechanische Verschliessung des 
Darms und die fruchtlose Verabreichung der wirksamsten Mit- 
tel, so wie die dem Verf. aus der Geschichte der Anwendung 
des Mittels bekannte Gefahrlosigkeit desselben bei weitem in 
den meisten Fällen ermuthigten ihn zur Darreichung dieses Mit- 
tels, das hier abermals ohne Nachtheil, wenn gleich auch ohne 
Nutzen gegeben. wurde, Dass es hier, wo es zu 10} Unzen 
in wenigen Stunden genommen wurde, den bereits, auf seiner 
äussern Fläche wenigstens entzündeten Darm durchaus nicht 
beschädigte, ist gewiss ein weiterer Beweis für die relative 
Gefahrlosigkeit seiner Anwendung, sofern man in ihrer Folge 
Ruptur des Darmkanals befürchtete. Ferner bestätigt dieser 
Fall abermals die alte Erfahrung , dass das Quecksilber durch- 
Rus nicht gerade so weit im Darmkanale fortgeht, dass man sich 
also auf seine wmechanische Wirksamkeit bei Einschnürung, 
Verstopfung etc. keineswegs zu viel verlassen darf, ‚Fand 
es doch Ebers in einem Falle im Magen und im hier erzähl- 
ten Falle war es auch noch mehrere Fuss weit vom Locus rem 
sistentiae entfernt. Es ist also auch nicht wahr, dass es im- 
mer wie ein Pfropf auf den Darm wirkt, wie Ebner angab 
und wie der Verf, selbst die Sache sich vorstellte, sondern nur, 
dass es auch so wirken könne. Dass dem aber wirklich so 
sei und das Metall also keineswegs immer auf die von Ha- 
nius supponirte Weise auf den Darm wirke, .d. h. nicht im- 
mer in zahllose kleine Kügelchen zertheilt und sofort langsam 
und in sehr verschiedenen Portionen weiter geschafft werde, 
sondern sich wirklich in einer Falte, in einem Divertikel des 
Darms ansammeln könne, wenigstens grossen Theils, besonders 
wenn es in grössern Gaben genommen wurde, ergiebt sich 
ebenfalls aus dem erzählten Falle, Man sicht gar nicht ein, 
warum eine solche Ansammlung erst nach dem Tode möglich 
aeyn sollte, da der Motus peristalticus während des Lebens 
nie auf alle Puncte des Darms gleich stark wirkt, wie dies 
schon die verschiedenartigen andern Ansammlungen, die im Le- 
ben nicht selten entstehen, beweisen. Diese bestehen zwar 
meist aus festen oder doch halbfesten Körpern, aber das metal- 
lische Quecksilber hat, zumal wenn es zu mehreren Unzen ge- 
geben wird, vermöge des Gewichts in dieser Beziehung auch 
melır Analogie mit einem halbfesten, als einem flüssigen Kör-
	        
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