Full text: (Neueste Folge, Band 7 = 1838, No 1-No 8)

IV. Gynäkologie und Pädiatrik. 
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Becken mehrfach verletzt,‘ Die Brust war beim Durchgange 
durch das Becken "von beiden Seiten dergestalt zusammenge- 
drückt worden, dass sich in der Gegend des Sternums eine 
längliche Furche bemerkbar machte, welche den Thorax gewis- 
sermaassen in zwei Hälften theilte, Ausserdem zeigte der platt- 
gedrückte Kopf an seiner rechten Seite einen tiefen Eindruck, 
welcher durch das stark ‚hervorragende Promontorium entstan- 
den war. Die Nachgeburt wurde bald und ohne Mühe ent- 
fernt. — Die Gebärende hatte zwar wenig Blut verloren, war 
aber durch die langen Operationsversuche, welche, mit kleinen 
Unterbrechungen , von 4 bis 10 Uhr gedauert hatten, äusserst 
erschöpft, Daher wurde ein Analepticum und bald darauf eine 
Mixtur von Aqw. Cerasorum nigrorum mit Opium gegeben, 
Das Wochenbett verlief ganz regelmässig und es stellten sich 
durchaus keine üblen Zufälle ein. Die Frau vermochte in kur- 
zer Zeit ihre Geschäfte wieder vorzunehmen und erfreut sich 
einer vollkommenen Gesundheit, Der mitgetheilte Fall dürfte 
in Hinsicht der Anwendbarkeit der Perforation einige nicht un- 
wichtige Folgerungen zulassen. Man hält nämlich die Perforation 
in der Regel immer dann für angezeigt ,:wenn ein solches Miss- 
verhältniss zwischen Kopf und Becken statt findet, dass der 
erstere ohne Zerstückelung durch das letztere nicht gelangen 
kann, > Dieser Grundsatz erscheint jedoch ,. nach dem mitgetheil- 
ten Falle, viel zu allgemein gestelltz denn so lange der Kopf 
im Becken nicht eingekeilt ist, bleibt die Wendung möglich, 
uud muss daher vorgezogen werden, weil sie als das kleinere 
von zwei Uebeln zu betrachten ist, Dabei darf man ferner 
nicht ausser Acht lassen, dass durch den Versuch einer Wen- 
dung., die Geburt mag dadurch glücklich vollbracht werden, 
oder nicht, niemals Etwas verloren gehen kann. Gelingt die 
Wendung nämlich gar nicht, so bleibt die Perforation ebenso- 
wohl das letzte noch anwendbare Mittel, als wenn sie nur 
theilweise geglückt ist, und der Kopf durch den zu engen Becken- 
raum nicht hindurch gebracht zu werden vermag. Ausserdem bie- 
tet sich im letzteren Fall dadurch noch manche Gelegenheit zu 
einem“ glücklichen Erfolge dar, dass man das Kind, wie im 
vorliegenden Falle, beliebig um seine Axe drehen kann, und 
dem Kopfe eine Lage zu geben vermag, vermittelst welcher 
man den anscheinend unmöglichen Durchgang durch das Becken 
dennoch oft zuwege bringen wird. Kine Perforation scheint 
daher also nur dann indicirt zu seyn, wenn der Kopf des Kin- 
des sich wirklich in: das Becken eingekeilt haben sollte, oder 
wenn, bei noch beweglichem Kopfe, entweder die Wendung 
anf keine Weise zu Stande zu bringen ist, oder die Extrahi- 
rung des Kopfs, ungeachtet des theilweisen Gelingens der Wen- 
dung und der versuchten ‘Drehung: des Kindes um seine Län-
	        
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