Full text: (Neueste Folge, Band 7 = 1838, No 1-No 8)

312 IV. Gynäkologie und Pädiatrik, 
gelassen, und da die Natur das Kind durch den zu engen Be- 
ckenkanal offenbar nicht- auszustossen vermochte, wurde die 
Zange angelegt. Allein der ‚starken Tractionen ungeachtet war 
es durchaus unmöglich, den Kopf ins kleine Becken herabzu- 
bringen, Inzwischen war die Nabelschnur vorgefallen, und 
wurde ohne alle Pulsation gefunden, obgleich die Gebärende 
noch vor einigen Stunden das Leben des Kindes bemerkt ha- 
ben wollte. ‚Nach wergeblichen Bemühungen, die Nabelschnur 
zu reponiren und nach ferneren fruchtlosen Versuchen, durch 
krüftigere Tractionen das Kind zur Welt zu bringen, schien es, 
als ob die Geburt ohne Perforation nicht zu bewerkstelligen 
seyn würde. Da der Kopf des Kindes jedoch fortwährend 
beweglich blieb, auch das Becken an der linken Seite so 
viel Raum hatte, dass man mit der rechten Hand bequem in 
die Gebärmujter eingehen konnte, so zog L., in Erinnerung an 
den Fall von Siebolc, io welchem, nach versuchten vergeb- 
jichen Tractionen mit der Zange, die Wendung gemacht und 
die Kreisseude glücklich von einem lebenden Kinde entbunden 
worden war, und durch natürlichen Abscheu vor einer Zer- 
stückelung bewogen, es vor, die Wendung ebenfalls erst zu ver- 
suchen. Mit der rechten Hand wurde daher in die Gebärmut- 
ler eingegangen, der Kopf des Kindes mit dem Daumen zur 
Seite gedrückt und der linke Fuss in die Scheide gebracht, In- 
dessen zeigte sich bald die Unmöglichkeit, das Kind an diesem 
Fusse allein‘ zu extrahiren. Deshalb musste noch ein Mal mit der 
Hand in den Uterus eingegangen werden, und erst nach vielen 
Bemühungen gelang es, auch den rechten Fuss io die Scheide 
zu bringen, Dennoch war die Extrahirung mit vielen Schwie- 
rigkeiten verknüpft, denn die Füsse waren 80 schlüpfrig, dass 
man noch in der Scheide Schlingen um dieselben befestigen 
musste, mit deren Hülfe es endlich glückte, das Kind bis an 
die Schultern zu bringen, Während dieser Operation hatte 
sich dasselbe aber mit dem Bauche, der Brust und dem Ge- 
sichte nach vorn gewendet und erschwerte durch diese ungün- 
stige Lage die fernere Operation bedeutend. L,. entschloss sich 
daher, diesen nachtheiligen Umstand, nach dem Vorgange von 
Mende und Deutsch, durch die Drehung der Frucht um 
ihre Längenaxe zu entfernen. Nachdem dies nach grossen An- 
strengungen gelungen war, war es möglich, die Arme zu lösen, 
woranf das Kind mit seinem Hinterhaupte in die linke, die ge- 
räumigste Seite der Beckenhöhle eintrat. Dadurch und durch 
fortgesetzte Tractionen wurde es endlich möglich, mit dem lin- 
ken Zeigelinger in die Mundhöhle des Kindes zu gelangen und 
dasselbe, wenn auch todt, doch unzerstückelt völlig zu extra- 
hiren. . Das Kind hatte die gewöhnliche Grösse neugeborner 
Kinder, war aber durch die schwere Geburt und das deforme
	        
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