Full text: (Neueste Folge, Band 7 = 1838, No 1-No 8)

I. Pathologie, Therapie und medicinische Klinik, 275 
Gehirn ist in diesem Falle wohl theils als Folge der allgemei- 
nen Schwächung der Lebenskräfte durch die häufigen Bleiver- 
giftungen, theils unverkennbar als wirkliche Metastase oder 
Metaschematismus des Ruhrprocesses zu betrachten. Ob die 
graue Färbung des Darmkanals und seines Inhalts als eine be- 
sondere Modificatfon der Ruhr oder als eine Folge der wieder- 
holten Bleivergiftungen oder mehr als zufälliges Symptom anzu- 
führen sei, lässt ©. unentschieden. {[Med, Corresp.-Bl. d, 
würt. ärztl. Vereins, Bd, VII. Nr. 49.] 
130. Werth der Scarificationen mit Impfna- 
deln in der Wassersucht; von Dr. Nırmann in Magde- 
burg. Dass zur Entleerung der serösen Ansammlungen in der 
Wassersucht kleinere Einstiche mit Impfnadeln den grösseren 
Einschnitten bei weitem vorzuziehen sind und dass sie voll- 
kommen dieselben Dienste leisten, ohne ihre Nachtheile, zu ha- 
ben, hat mir eine vielfältige Erfahrung hinlänglich erwiesen. 
Wird die Nadel vier bis fünf Linien tief eingeschoben, so ge- 
nügen mehrere Stiche, ° deren selten drei bis vier nöthig sind, 
um das Wasser besonders in den Extremitäten und dem Scro- 
tum zu entleeren. Nie sah ich Gangrän nach den Kinstichen 
entstehen, Das Wasser tröpfelt so allmählig ab, dass ein zu 
plötzliches Einströmen des Bluts in das Zell- und Fettgewebe 
nicht zu befürchten ist, War die Ausdehnung des Zellgewebes 
sehr bedeutend, so erhalten die Theile nach der Scarification 
die frühere Elasticität zwar nicht ganz wieder, auch bleiben 
sie fast immer in der Farbe und Consistenz verändert, ein Be- 
weis, dass das Zellgewebe durch einen entzündlichen Process 
an einzelnen Stellen Adhäsionen einging, in allen Fällen war 
die Entzündung aber nur erysipelätöser Natur und wurde durch 
gelinde Einwickelungen fast immer verhütet, Nur die Vorsicht 
ist bei den Scarificationen zu beobachten, dass man im Anfange 
nicht zu viele Einstiche macht. Die Erschöpfung der Kräfte, 
selbst nach geringem Abfluss des. Wassers, ist oft sehr bedeu- 
tend. - Die Einstiche wirken freilich oft nur palliativ, in 
vielen Fällen aber tragen sie zur Radicalcur wesentlich bei. 
Häufig bleiben alle Mittel bei bedeutendem Anasarca erfolglos, 
ehe nicht das Wasser entleert ist, da-die Gefässe es nicht zu 
resorbiren vermögen, Dass selbst bei schon bestehendem Asci- 
tes. die Einstiche radical wirken, mögen folgende Beobachtun- 
gen beweisen. I) Der Arbeiter N. 54 Jahr alt, schon seit 
längerer Zeit mit Bleiglasurarbeiten beschäftigt, hatte schon 
häufig Anfälle der Bleikolik überstanden. Zu Abdominalkrank- 
heiten disponirt, wird er von einer gallichten Rose befallen, die 
am rechten Fusse in bedeutender Ausdehnung sich entwickelte 
und unvorsichtiger Weise durch Bleiumschläge behandelt wird. 
Mehrere Wochen darauf bildet sich Ascites und Oedema scroft. 
aus, Die Fluctuation war sehr deutlich, das Scrotum unge- 
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