Full text: (Neueste Folge, Band 7 = 1838, No 1-No 8)

274 1. Pathologie, Therapie und medicinische Klinik, 
hälfte, was in der Regel stattfindet. [Med. Corresp.-Bl. d. 
würt. ärztl. Vereins, Bd. VIL Nr. 50.1 
129. Ein Fall von Bleikolik, bei dem die Ruhr 
eine intercurrirende Krankheit bildete; vom O0, M. 
A. Dr. Cuzss, (A. d. zehnten Jahresber, über d. Kranken im 
Cathar.-Hosp. ia Stuttgart vom 1. Juli 1836 bis 30, Juli 1837), 
Ein 32jähriger Mann, zum fünften Male innerhalb 6 Jahren von 
der Bleikolik mit‘ Lähmung beider Hände befallen, Kam am 
16. Juli in das Hospital. Als die Kolik beseitigt und die Läh- 
mung durch endermatische Auwendung des Strychnins, verbun- 
den mit aromatischen Bädern, bedeutend abgenommen hatte, be- 
kam er am 23. Aug. einen Ruhranfall mit paralytischem Zu- 
stande des Sphincter anti. ‚ Am 8. Sept. stockten die Ausleerun: 
gen plötzlich und machten einem Zustande von Verrücktheit 
mit vorherrschendem Character von Fatuität Platz, der bis zum 
15.-anhielt, An diesem Tage wurde der Stuhlgang, der bis 
jetzt verstopft war, und neben dem Gebrauche von Digitalis 
mit Klystieren unterhalten werden musste, diarrhöeartig, und 
die Besinnung des Kranken kehrte jetzt eben so schnell zurück, 
als sie eine Woche vorher verloren gegangen war, Ungeachtet 
des Gebrauchs von Campher in öliger Emulsion trat aber schnell 
ein Collapsus virium ein und der Kranke verschied drei Tage 
darauf, nachdem 24 Stunden vor dem Tode das für die para- 
Iyvtische Form der Ruhr characteristische Symptom — Kaltwerden 
der Extremitäten — sich eingestellt hatte. Bei der Section fand 
sich in den Häuten und in der Substanz des Hirns keine‘ Blut- 
überfüllung, letztere von normaler. Consistenz, zwischen Arach- 
noidea und Pia mater viel trübes Serum, in den Seitenven- 
trikeln je 1} bis 2 Unzen helle Flüssigkeit, wodurch diesel- 
ben über das Normal ausgedehnt waren, eben so der 3. und 4, 
Ventrikel und ihre Communicationsöffnungen, die beiden Cor- 
pora striata bedeutend erweicht; auf der Basıs cranii eben- 
falls viel Serum, das in ziemlicher Menge auch durch das Fo- 
ramen magnum vom Rückenmarkskanal herausfloss. Der Darm- 
kanal in seinem ganzen Verlaufe schon von aussen eine gleich- 
förmige schiefergraue Färbung zeigend, die Höhle desselben 
mit einer wässerigen Fiössigkeit von derselben Farbe. angefüllt, 
die Schleimhaut von einem grauen Schleim überzogen, nach des- 
sen Abwaschung sie aber dennoch diese Farbe beibehielt. Die 
Excremente in den Jetzten Tagen hatten ebenfall, diese schie- 
Fergraue Färbung gezeigt, ohne Beimischung von Blut, Die 
Schleimhaut selbst in ihrer Fextur- normal, bis zum obern An- 
Fang des S, romanum, von hier aber an bis zur Aftermündung 
lieselhe für die Ruhr characteristische Degeneration zeigend, nur 
mit dem Unterschiede, dass die Färbung nicht grünlich, son- 
dern wie der übrige Darmkanal grau, nur etwas dunkler war. 
= Die intercurrirende Verrücktheit mit dem VWasserergusse im
	        
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