Full text: (Neueste Folge, Band 7 = 1838, No 1-No 8)

I. Pathologie, Therapie und medicinische Klinik, 2597 
handlung konnte der‘ Nachlass der subjectiven Erscheinungen 
täuschen, wenn nicht die objectiven ganz dieselben geblieben 
wären. Hierzu kam noch, dass seit dem 14. Tage der Krank- 
heit alle Erscheinungen , vorzüglich in der Brust, eine sehr üble 
Wendung genommen hatten, und dass das Stethoscop auf der 
linken Brustseite vorn Rhonchus crepitans, hinten Aegophonie 
deutlich hören liess. Da L. die Entzündung, die sich dahin 
ausgebreitet, und an Intensität kaum etwas gemindert hatte, 
beschränken wollte, verordnete er abermals Blutegel, Venä- 
section und antiphlogistische Tränke nicht ohne einigen Erfolg, 
und weil sich zugleich durch freiwilliges Erbrechen Galle ent- 
Jleerte, die sich auch durch den dunkeln Urin, die gelbliche 
Färbung der Haut zu erkennen gab, so verordnete L. wieder 
ein leichtes Brechmittel,. Welche Flüssigkeit aber auch jene 
Auftreibung bewirkte, so musste man .doch wohl an eine Kot- 
leerung nach Aussen denken. Um diese entweder durch Na- 
turheilkraft oder durch Kunst zu bewirken, musste man eine 
Verwachsung der gefüllten Höhle mit den Bauchdecken herbei- 
zuführen suchen. Da diese durch die noch vorhandene Entzün- 
dunzy des serösen Ueberzuges der Leber hinlänglich begünstigt 
wurde, so glaubte L. durch‘ wiederholt angewandte trockene 
Schröpfköpfe sie zu fördern. Die Schröpfköpfe übten einen 
grössern Einfluss aus, als man hätte erwarten sollen und es 
war zu bewundern, wie nach der ersten Anwendung derselben, 
am 37, Tage der Krankheit, die Geschwulst ebener und kleis 
ner wurde und der fernern Beachtung fast nicht mehr bedürfte, 
Die Kranke aber wurde jetzt von einer grössern Athembe- 
schwerde beängstigt und verfiel unter Herzklopfen und starkem 
Pulsiren der Carotiden in Sopory aus dem sie, durch einen gür- 
telartig ausgebreiteten, den ganzen Umfang des Zwerchfells um- 
ziehenden Schmerz erweckt wurde, grusse. Erschlaffung der 
Kräfte zeigte und in profusen Schweissen fast zerfloss; Der 
Urin wurde spärsam gelassen und fing jetzt an ein eiterärtiges 
Sediment abzusetzen, an den Füssen und dem Gesichte zeigte 
sich ein leichter leucophlegmaätischer Zustand, Von jetzt hatte 
man nur eine Zndicatio vitalisı — Am 20. Tage verfiel die 
Kranke in einen tödtlichen Sopor, man fühlte sur noch einzelne 
intermittitende Herzschläges und glaubte nicht mehr, sie erwe- 
cken zu können. Um Mittag jedoch erwachte sie plötzlich, 
mit kräftiger Stimme über unerträgliche Schmerzen in der Leber 
klagend, und während sie mit der linken Hand den bezeichne- 
ten Ort drückte, gab sie den Geist auf. Diese Todesart schien 
auf Ruptur zu deutens um so mehr, als von jetzt an das zu 
sammengefallene Hypochondrium kaum eine Spur der Anschwel:“ 
lung zeigte. Die Section ergab Folgendes: durch eine angesam- 
melte dünne Flüssigkeit im Zellgewebe war die ganze Haut sehr 
weiss und angeschwellen. Die Gesichtszüge drückten Schmerz 
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