Full text: (Neueste Folge, Band 7 = 1838, No 1-No 8)

20 Il. Materia medica und Toxikologie, 
wenigstens hat diese seine Wirkung im Vergleich mit andern 
Opiumpräparaten zu oft bestätigt gefunden, als dass er sie nicht 
mit Bestimmtheit hervorheben könnte, Mit Morphin würde 
jetzt übrigens zweifelsohne dasselbe erreicht werden, wenn man 
es bei der Hand hatı {[Med. Corresp.-Bl. d, würt. ärztl, 
Vereins. Bd. FVIL Nr. 43.) 
10. Medicinische Anwendung des Amygdalins. 
Liebig’s und Wöhlers interessante Entdeckung, dass Amyg- 
dalin in Berührung mit Wasser und Emulsin, gleichviel ob von 
bittern oder süssen Mandeln, in Blausäure und ätherisches Bit- 
termandelöl zerfällt, musste sogleich darauf führen, dass Amyg- 
dalin mit Mandeln oder Mandelemulsion , . als Arzneimittel ge- 
geben, die officielle vegetabilische Blausäure, namentlich die 
Emulsio und Aqua Amygdalarum amararum und Aqu. Lau- 
rocerasi entbehrlich machen dürfte und zwar aus folgenden 
Gründen: 1) das Amygdalin lässt sich leicht bereiten, 2) Es 
ist für sich unveränderlich und kann Jahre lang, ohne dass sich 
die Wirksamkeit verändert, aufbewahrt, also auch in jeder Of- 
ficin. vorräthig gehalten werden, 3) Das Zerfallen desselben 
in Blausäure und ätherisches Bittermandelöl geschieht im Au- 
genblick, wenn es mit Emulsin und Wasser in Berührung 
kommt. 4) Amygdalin-Emulsion hat stets gleichen Gehalt von 
wirksamen Bestandtheilen. Liebig und Wöhler fanden, 
dass 17 Gran Amygdalin durch Zersetzung mittelst Emulsin 
oder Emulsio Amygdalarum genau 1 Gran Blansäure und 8 
Gran äther. Bittermandelöl gaben und dass diese 17 Gran Amyg- 
dalin zugleich 2 Unzen Aqu. amygd, amar. conc. im Gehalte 
an Blausäure und äther. Bittermandelöl ersetzten. Um 3] Gran 
vegetabilische Blausäure zu verordnen, dürfte daher folgende 
Formel der Empfehlung sehr werth seyn: Rec. Amygd. dulc. 
5ij. Aqu. comm. q. 8. ut. f. 1, a. Emuls, 5). In Colat, solv. 
Amygdalini gr. xvij. D. Da der Gehalt der bittern Mandela 
sehr ungleich ist und da sie im Handel bisweilen auch mit 
süssen gemengt vorkommen, so leuchtet ein, dass sie hinsicht- 
lich des Gehalts an Blausäure und äther, Oele nicht immer eine 
gleiche Emulsion oder ein destiliirtes Wasser geben können 
und dass also die eben angeführte Emulsio amygdalina wegen 
grösserer Zuverlässigkeit der Wirkung den Vorzug verdient. 
(Man vergleiche hiermit den Aufsatz von Martens: über die 
hlausüurehaltigen officinellen Wässer und üher die olficivelle 
Blausäure selbst. Summar, N. F, Bd. V. Hft. 7, Nr. 192.) 
[Buchner’s Repert, Bd. X. Hft. 2. nach den Göttinger ge- 
lchrten Anzeigen. | 
il. Semen Lycopodii; von Dr. Camenren in Lan- 
xenau. Ueber das Semen Lycopodii und seine therapeutische 
{Yirksamkeit giebt es verschiedene Ansichten, Während Einige
	        
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