Full text: (Neueste Folge, Band 7 = 1838, No 1-No 8)

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HE.‘ Chirurgie und Ophthalmologie. 
Irösten, oder, falls es nöthig „die Hände zu halten. Nachdem 
so alles vorbereitet worden war, stellte sich Herzig links an 
den verrenkten Schenkel, ergriff mit.der Linken den Riemen, 
mit der Rechten stämmte er sich an ‚die linke Hüfte, liess von 
allen Gehülfen zugleich die Ausdehnung machen und sagte zu 
dem, der den Fuss umfasst hatte, er möchte .den Schenkel et- 
was heben. . In diesem Augenblicke stämmte sich Herzig fest 
an die Hüfte und zog mit dem Riemen den Schenkel stark nach 
auswärts, Der Verf, stand an Herzig’s Seite und hörte in 
dem Momente ein leichtes Gelenkkrachen, was aber Ersterer 
nicht hörte, Herzig liess die Ausdehnung noch immer stei- 
gern, weil die ‚plötzliche Veränderung des Gelenks und das 
auffallende Geräusch oder der Knall, den er bei frühern Ein« 
richtungen immer gehört hatte, nicht eintraten. Nach einigen 
Minuten Hess Herzig ein wenig aussetzen, um sich, da er 
die Anstrengung nicht mehr aushalten konnte, zu erholen... Als 
die Gehülfen nachliessen , bemerkten sowohl diese, als Herzig 
und der Verf, , dass der Schenkel eine andere Richtung (ange 
nommen habe, Man befühlte gleich den Schenkel und fand den 
grossen Trochanter an der normalen Stelle, der linke Schenkel“ 
bug war zwar noch geschwollen und beim Drucke empfindlich; 
die runde harte Geschwulst aber verschwunden ; der linke Schen- 
kel war dem rechten an Länge, gleich, ja fast etwas länger und 
liess sich im Hüftgelenke leicht und ohne besondern Schmerz nach 
allen Richtungen bewegen. ‘ Noch immer über die gelungene 
Einrichtung in Zweifel, liess man den Kranken aufstehen, er 
konnte allein stehen, die Hüfte hatte die normale Gestalt, und 
als Pat. vorwärts schreiten sollte, ging er, nur an einem Arme 
Jeicht unterstützt, ohne Anstand den halben Weg zum eigentlichen 
Bette. Nun waren alle Zweifel gehoben und Pat. selbst sagte; 
dass er sich wohl befinde. Der weitere Verlauf des Uebels 
war ganz einfach, Unter kalten Umschlägen verloren sich :alle 
Schmerzen und Pat, wurde am 23. Nov. gesund ‚entlassen, 
Seitdem hat er nicht den geringsten Fehler im Hüftgelenke em- 
pfunden. — Fünfter Fall: Verrenkung des rechten 
Oberschenkels nach vor- und abwärts. Ein 58jähri- 
ger, hazxerer, verabschiedeter Landwehrmann von mittler Grösse 
war nie bedeutend krank und fristete mühsam ‚sein Leben als 
Handlanger. Kin Mal trafen ihn die Sparrenhölzer von der 
linken Seite, worauf er auf die rechte Seite stürzte und halb 
das Bewusstsein verlor. Als er sich wieder erholte, steckte 
er mit rechtem Schenkel und. rechter Hüfte zwischen 2 Balken 
und sah den Kameraden unter sich ganz von einem Baume be- 
deckt. So lange er so lag, fühlte er nirgends heftige Schmer- 
zen, nachdem er aber aus dem Holzwerke vorgezogen worden 
war, konnte er nicht stehen und empfand sehr heftige Schmer- 
zen in der rechten Hüfte und zwar meist rückwärts in dem Hin-
	        
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