Full text: (Neueste Folge, Band 7 = 1838, No 1-No 8)

114 IV. Gynäkologie und Pädiatrik. 
nicht reiner Blutfluss, sondern Abgang von Blutklumpen und 
etwas festeren Massen, deren Beschallenheit sie nicht genau 
angeben konnte, nur so viel glaubte sie bemerkt zu haben, dass 
es Nichts einem Ei Aehnliches gewesen war, Das Allgemein- 
befinden der Frau litt sehr — sie hatte eine Febris lenta, war 
äusserst matt und schwach, schwitzte heftig, hatte keinen Ap- 
petit und Schmerzen im Bauche, Den 27. April wurde C. ge- 
rufen. Auf mehrere Verordnungen blieb der Zustand derselbe. 
Der Abfluss aus der Gebärmutter, bald mehr schleimig und Eiter 
ähnlich, bald mehr blutig, dauerte fort, aber nicht in bedeu- 
tender Menge. In der Mitte Mai’s kam noch heftiger Schmerz 
im rechten Fusse hinzu, die Gesichtsfarbe wurde gelb, die oben 
angegebenen Erscheinungen blieben dieselben. — C. vermuthete 
einen krankhaften, namentlich einen Ulcerations - Zustand des 
Uterus, als ihm die Frau am 20. Mai sagte, dass den Tag 
zuvor „Etwas Besonderes von ihr abgegangen sei,“ CC. unter- 
suchte das Abgegangene näher und erkannte Knochenstücke eines 
etwa 10—12 Wochen alten Fötus, — Clavicula, einige Rippen, 
Femur, Crus, — Nun war die Diagnose erst klar. Es war 
nicht zu zweifeln, dass der Fötus im Mutterleibe in der 10—12 
Woche abgestorben und in Verwesung übergegangen und dass 
die Natur nun erst mit Wegschaffung desselben und namentlich 
der festern Theile beschäftigt war. Die Frau theilte C. nun 
auch die Vermuthung mit, dass schon einige Zeit vorher solche 
Knochenstücke, ehe sie von ihr bemerkt worden, abgegangen 
seyn müssten, da sie öfters ein Stechen an den äussern Geni- 
talien beim Abgang von Blutgerinsel bemerkt, aber nicht wei- 
ter beachtet habe. Bis in den Monat Juni gingen von Zeit zu 
Zeit einzelne Knochenstücke neben einer mehr wässerigen den 
Lochien ähnlichen Flüssigkeit aus den Genitalien ab, bis sich 
endlich der Uterus gänzlich entleert hattez die Frau aber er- 
holte sich unter Fortanwendung roborirender Mittel nach und 
nach vollkommen. Ob eine Krankheit des Fötus selbst, oder 
eine krankhafte Affection des Uterus, zum Absterben des Fötus 
beigetragen hatte, Hess sich zwar. nicht ausmitteln, so viel ist 
aber gewiss, dass der Fötus längere Zeit vor seiner Austrei- 
bung zu leben aufgehört hatte und dann in Verwesung über- 
gegangen war und dass dadurch eine krankhafte Organisatious- 
störung des Uterus fingirt, so wie. überhaupt alle jene Erschei- 
nungen von Störung des Allgemeinbefindens herbeigeführt wur- 
den, welche oben angegeben sind. Kin diagnostischer Fehler 
konnte in diesem Falle um so leichter begangen werden, als 
Frühgeburten der Art überhaupt zu den selteneren Fällen ge- 
hören. Wäre jedoch die innerliche Untersuchung nicht ver- 
säumt worden, so würde sich die richtige Diagnose früher 
dargestellt haben und der Fall giebt daher einen neuen 
Beweis, dass man bei allen krankhalten Uterinal- Störungen
	        
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