Full text: (Neueste Folge, Band 6 = 1837, No 17-No 24)

I. Pathologie, Therapie und medicinische Klinik, 77 
einige Zoll lang wurden, kamen obige Beschwerden wieder, 
und es zeigte sich alsdann unter Nachlass derselben der Weich- 
selzopf von Neuem. Dieselbe Erscheinung hatte sich seitdem 
mehrere Male wiederholt und die Haare waren in grosse Zö- 
pfe verwirrt, als die Lungenentzündung sich bildete, welche 
übrigens mit der Plica in keinem Causalnexus zu stehen schien, 
d) Beobachtung des Medicinalraths Dr, JAGreLSKI in Posen, 
Eine 25jährige Bauerfrau, welche, vor einem Jahre zum ersten 
Male glücklich entbunden, ihr Kind bis jetzt gesäugt hatte, 
wurde 14 Tage nach ihrer Entbindung von klonischen Kräm- 
pfen des Unterleibes und einer Art Manie befallen, wodurch 
sie periodisch in die grösste Angst und zur Mordlust ihres Kiu-= 
des gebracht wurde. In diesen Paroxysmen lief sie oft Tag und 
Nacht auf dem Felde umher, wälzte sich vor Angst und Un- 
ruhe auf der Erdey bis sie endlich ein wahrer Heisshunger nach 
Hause trieb, wo sie Alles Essbare verschlang. Nach einem 
halben Jahre entwickelte sich auf ihrem Kopfe ein grosser 
Weichselzopf , doch ohne Nachlass jener Leiden. Verschiedene 
gebrauchte Mittel hatten keinen Erfolg. Am 53. Februar wurde 
sein die mehrerwähnte Anstalt aufgenommen. Während der 
Erzählung ihrer Leiden befielen sie die heftigsten krampfhaften 
Zusammenziehungen der linken Seite: der Bauchbedeckungen, 
grosse Unruhe, Beklemmung und Aufstossen, wobei sie sich 
den Unterleib mit beiden Händen fest zusammendrückte, bald 
in der Stube umher lief, bald auf der Erde sich wälzte, sich 
die Haare ausriss und mit dem Kopfe an die nächsten Gegen- 
stände anschlug. Nach 10— 15 Minuten Ruhe verfiel sie wie- 
der in denselben Zustand, wobei sie vollkommene Besinnung 
hehielt und, sobald man ihr etwas zu essen reichte, auf ei- 
nige Zeit diese Krämpfe verlor. Sie hatte ihr Kind abge- 
setzt, die Brüste jedoch strotzten noch von Milch. Weder 
die aqua |foetida antihysterica , noch Bismuth, Zink, Vale- 
ana, Castoreum, Opium, Aqua Laurocerasi, spanische Flie- 
genpflaster, Dampfbäder, krampfstillende Klystiere u. 8. w. 
vermochten im Mindesten diesen Zustand zu ändern. Die Un- 
ruhe dauerte Tag und Nacht; die Pat, lief in den Krankensälen 
umher und versuchte sogar, als man sie zurückhalten wollte, 
zum Fenster hinauszuspringen, was nur mit Mühe verhindert 
wurde, Als sich nach acht Tagen die Milch in den-Brüsten 
verloren hatte und die Beobachtung ergab, dass der Krampf 
nach dem Essen nachliess, so wurde ihr nach Verlangen zu 
essen gereicht und bemerkt, dass sie 10fache Portionen, ohne be- 
friedigt zu werden, vertrug, Trotz dem vielen Essen war ihr 
Leib nicht aufgetrieben , der Stuhlgang erfolgte täglich 2 bis 3 
Mal, der Durst war nicht übermässig, der Urin wie bei einer 
gesunden Person. Im Unterleibe war nichts Krankhaftes zu 
bemerken und die Vaginalportion des Uterus. zeigte sich nor-
	        
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