Full text: (Neueste Folge, Band 6 = 1837, No 17-No 24)

68 I. Pathologie, Therapie und medicinische Klinik. 
bald durch die Folgen ihrer örtlichen Reflexe, bald endlich durch 
mehrere dieser Ursachen zusammengenommen, tödtet, Nicht jeder 
Typhus ist ansteckend. Seit 1812 und 1815 sind Jahrzehnde ver- 
gangen, ohne dass dem Verf. im Jacobshospitale oder in der 
Privatpraxis ein einziger Fall von Verbreitung desselben auf die- 
sem Wege vorgekommen ist, ob er gleich jährlich sporadisch 
und mehrmals epidemisch beobachtet wurde. Gewiss aber ist 
es, dass da, wo viele Typhuskranke unter ungünstigen Um- 
ständen zusammengehäuft sind, ein Contagium gebildet werden 
kann, das, je nach der Intensität, mit der es einwirkt und der 
Empfänglichkeit, die es findet, durch unmittelbare Aufnahme 
ins Blut, mittelst der Haut, Lungen und Digestionswerkzeuge, 
alle die Erscheinungen und Veränderungen hervorbringt, die beim 
abgeleiteteten Typhus, in Folge der gestörten Crisen, entstehen, 
Das Contagium wirkt hier ganz wie die auszuscheidenden Stofle, 
die im Blute zurückgehalten oder in dasselbe aufgenommen wer- 
den, nur noch schneller, heftiger, zerstörender. Der gewöhn- 
liche Typhus scheint daher höhere Potenz der wesentlichen 
Fieber, der contagiöse aber höhere Potenz des entzündlichen zu 
seyn. Solche stufenweise Steigerung von der Norm zum Fie- 
ber, vom regelmässigen Verlaufe des Fiebers zur entzündlichen 
oder typhösen Anomalie und von dieser zur Erzeugung eines 
animalischen Giftes hat für den Verf, viel Wahrscheinliches 
und wird durch manche directe Erfahrungen bestätigt, In und 
um Leipzig zeigt sich der Typhus am häufigsten in den spätern 
Herbst - und Wintermonaten, wenn die Wechselfieber verschwin- 
den, oder als unregelmässige Quartanfieber auftreten und die 
bis dahin gewöhnlichen galligen oder gallig-rheumatischen Fie- 
ber sich in die Länge zu ziehen anfangen. Sollte vicht der 
verminderte Einfluss des Lichts und der Wärme in »pimalischen 
Körpern auf ähnliche Weise Verminderung der. abscheidenden 
und plastischen Thätigkeit zur Folge haben, als dies der Fall 
in der vegetabilischen Welt ist und lässt sich nicht auf der an- 
dern Seite der rasehere, gutartigere und einfachere, wiewohl 
oft entzündliche Verlauf der Fieber im Frühlinge und Sommer 
aus den entgegengesetzten Ursachen herleiten, wenn man nur 
dabei die zufälligen Modificationen, die von individuellen tem- 
porären oder Localursachen abhängen, nicht übersieht? Aber 
selbst beim ansteckenden Typhus sind die Cardivalformen der 
wesentlichen Fieber als Grundlage der epidemischen Constitution 
nicht zu verkennen. Als nach den Schlachten bei Lützen und 
Leipzig der Typhus alle übrigen Formen der Fieber absorbirt zu 
haben schien, war er doch nur bedingt contagiös und in der 
Mehrzahl von Fällen, in denen. das Contagium nicht als schnell 
depotenzirendes Gift wirkte, Hess sich der gastrische, rheuma- 
tische oder catarrhalische Grundcharacter, ja selbst der dreitä 
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