Full text: (Neueste Folge, Band 6 = 1837, No 17-No 24)

108 IT, Materia medica und Toxikologie, 
Mehr als 3 Wochen waren so, ohne alle Wirkung der Mittel, 
verflossen und Pat, fühlte nach ausgeleertem Urin noch immer, 
wie früher, nicht die geringsten Beschwerden, keinen Schmerz, 
auch nicht bei Berührung, gar keinen Drang in der: Blase, kein 
Lendenweh, der Unterleib blieb weich, unschmerzhaft und 
das Athemholen war frei, ohne Husten, doch stellten sich Jetzt 
leichte Fieberbewegungen mit etwas frequentem, übrigens wei- 
chem, kleinem Pulse und Hanuge zum Schlafe, der auch schon 
Jange vor dieser Krankheit bemerkt worden war, ein. Bei diesem 
Stande der Sachen schlug H. seinem Collegen vor, das Secale 
cornulum zu versuchen, das nach seiner Meinung, so wie bei 
reiner Atonie des Uterus auch hier zu günstigem Erfolge be- 
rechtigen dürfte. Mit Zustimmung des Collegen erhielt Pat. so- 
gleich am 29. Mai nachstehendes gelindes Decoct: Rec. Secal. 
corn. ij. coq. 6, Aqu. font, q. 8. p. hor. 4 Colat, 5vj. add, 
Sacch. alb, 3ij. M. D. S. Stündlich einen Esslöffel. Darauf 
wurde zum ersten Male von selbst in 24 Stunden ungefähr ein 
Schoppen Harn in mehreren kleinern Portionen ausgeleert, 
doch wurde Abends doch noch ein Mal wegen der Nacht der 
Catheter angewendet, der sehr leicht und ohne Schmerzen bei) 
gebracht wurde und 2 Schoppen Harn entleerte. Am 30. Mai 
wurde mit dem Decoct fortgelahren, wonach mehr Harn abging, 
Abends spät wurde der Catheter wieder benutzt, der aber nur 
die Hälfte von dem am vorigen Tage entleerte. Am 31. Mai 
wurden 2 Esslöffel vom Decocte alle Stunden gegeben, wo- 
durch gegen 3 Schoppen in 24 Stunden ausgeleert und der 
Catheter deshalb einstweilen zurück gehalten wurde. Es wurde 
nun 1} Drachme Secal, corn. zur Colatur von 6 Unzen genom- 
men, wovon Pat. alle 2 Stunden 1 Esslöffel, am 2. Juni 1 
Esslöffel und am 2, Juni 2 Esslöffel voll. erhielt. Während 
dem Steigen wurde täglich gegen 14 Maass Urin willkührlich 
ausgeleert. Am 4. Juni versuchte man, ob auch ohne dieses 
Mittel der Harn abgehen werde. Man liess daher den Kran- 
ken ohne Mittel, Sogleich hörte der Harn wieder zu flies- 
sen auf. Pat, bekam grosse Noth und Drang zum Harnlassen 
und Abends musste man den Catheter wieder anwenden. Man 
gab daher das Decot wieder und bald folgte freie ‘Ausleerung 
des Harns und während der Nacht von selbst 2-—3maliger fe- 
ster Stuhlgang. : Der Puls blieb die ganze Zeit frequent, hatte 
100 Schläge in der Minute, war aber weich, nicht voll. Pat. 
klagte sonst über nichts, fing aber an abzumagern mit partiel- 
len Schweissen am Kopfe und der Brust, fortwährender Neigung 
zum Schlafe, übrigens freiem Athemzuge und unschmerzhaftem 
Unterleibe. Das Mutterkorn wurde nun einige Tage wegge- 
lassen; da sich aber wieder viel Drang olıne Urin zeigte, erhielt 
Pat, eine ölige Emulsion mit Syr, diacod. und einige erwei« 
chende Klystiere, wodurch der Drang ganz wegblieb,- doch 
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